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Proseminare

Proseminare in Alter Geschichte

 
Titel
Recht und Gerechtigkeit im archaischen Griechenland
Dozierende
Prof. Dr. Sitta von Reden
Uhrzeit
Mittwoch, 16-20 Uhr c.t.
Raum
R 01 020C, Hermann-Herder-Straße 9
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-W1508
Kommentar
Einer der wesentlichen Aspekte der frühen staatlichen Entwicklung im archaischen Griechenland (c. 800-500 v. Chr.) ist die Herausbildung von kollektiven Gerechtigkeitsvorstellungen, die Auflösung von Racheethiken und die Entstehung von geltenden Rechtsnormen. Homer beschreibt in einer zentralen Episode der Ilias eine Gerichtszene und der Dichter Hesiod beklagt die Abwesenheit der Göttin Dike (Gerechtigkeit) in seiner korrupten Gegenwart. Die Einrichtung von Volksgerichtshöfen war eine der zentralen Reformen der Gesetzgebung des Solon. Die frühsten uns erhaltenen schriftlichen Gesetzestexte sind nicht nur Beispiele für die regelbedürftigen gesellschaftlichen Bereiche, sondern auch dafür, wie über einzelne Gesetze ein Bereich kollektiver Verantwortung abgesteckt wurde. In diesem Seminar sollen anhand literarischer Zeugnisse und inschriftlich erhaltener Gesetzestexte die politische Kultur der archaischen Polis und die Rolle von Gesetzgebung und Rechtsprechung für die Entwicklung antiker Staaten untersucht und diskutiert werden.
Literatur
Gehrke, H. J./Schneider, H. (Hrsg.) Geschichte der Antike. Stuttgart 2006, 35-128.
Welwei, K.-W. Die griechische Frühzeit. 2000-500 v. Chr. Stuttgart 22007.
 
 
Titel
Arrian und die Geschichte Alexanders des Großen
Dozierende
Prof. Dr. Sitta von Reden
Uhrzeit
Mittwoch, 10-14 Uhr c.t.
Raum
HS 01 009, Freiburger Materialforschungszentrum (FMF), Stefan-Meier-Str. 21
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-W1502
Kommentar
Über Alexander ist keine zeitgenössische Geschichtsschreibung überliefert. Das meiste unserer Kenntnisse beruht auf dem Werk des Arrian von Nikomedien, der unter römischer Herrschaft eine Geschichte des Alexanderfeldzugs schrieb, die vollständig erhalten ist, sowie eine Alexandergeschichte, die in Auszügen über den spätantiken Autor Justinian greifbar wird. In diesem Proseminar sollen neben der Geschichte eines des größten Feldherrn der Antike die problematische Quellenlage zu Alexander und die besonderen Zielrichtungen der Alexandergeschichtsschreibung des Arrian untersucht werden.
 
Da es derzeit keine erschwingliche deutsche Ausgabe des Alexanderfeldzuges von Arrian gibt, werden Auszüge in Kopie zum Downloaden zur Verfügung gestellt.
Literatur
F.J. F. Nigro, Die Geschichtsschreiber Alexanders des Großen – Römer und Griechen, in: Alexander der Große und die Öffnung der Welt. Asiens Kulturen im Wandel. Mannheim 2009, 33-37.
H.-J. Gehrke, Alexander der Große. München 1996. (Beck Wissen).
H.-U. Wiemer, Alexander der Große. München 2005.
 
 
Titel
Jüdischer Aufstand, jüdische Revolution - die Makkabäer
Dozierende
Ole Johannsen
Uhrzeit
Donnerstag, 16-20 Uhr c.t.
Raum
HS 1228
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-W1504
Kommentar
Im Jahr 168 v. Chr. verbot der seleukidische König Antiochos IV. die Ausübung des jüdischen Kultes in Jerusalem. Dieser Eingriff provozierte eine Erhebung unter Führung der Makkabäer, die schließlich zur Unabhängigkeit Judäas vom Seleukidenreich führen sollte. Die in der Forschung kontrovers diskutierten Ursachen dieser beispiellosen Eskalation sollen im Proseminar ebenso erarbeitet werden, wie der Verlauf des Aufstandes und dessen Folgen, wobei neben der Erarbeitung verschiedener Forschungspositionen der kritische Umgang mit den althistorischen Quellen geschult werden soll.
Literatur
Bernhardt, Johannes: Die Jüdische Revolution. Untersuchungen zu Ursachen, Verlauf und Folgen der hasmonäischen Erhebung, Berlin 2015.
Bringmann, Klaus: Geschichte der Juden im Altertum. Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung, Stuttgart 2005.
Honigman, Sylvie: Tales of High Priests and Taxes. The Books of the Maccabees and the Judean Rebellion against Antiochos IV, Berkeley 2014.
 
  
Titel
Die Verschwörung des Catilina
Dozierende
Prof. Dr. Astrid Möller
Uhrzeit
R 01 020a, Hermann-Herder-Straße 9
Raum
Dienstag, 14-18 Uhr c.t.
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-W1507
Kommentar
Im Zentrum einer Einführung in die Geschichte der späten Römischen Republik soll die sog. Verschwörung des L. Sergius Catilina im Jahre 63 v.Chr. stehen. Für den amtierenden Konsul M. Tullius Cicero war sie ein willkommener Anlass, politische Handlungsfähigkeit zu beweisen, doch verstieß er mit der Hinrichtung der Verschwörer ohne Gerichtsurteil gegen geltendes Recht. In den vier Catilinarischen Reden stilisiert sich Cicero als Retter der res publica. Zu dieser historischen Episode ist uns auch Sallusts Werk „de coniuratione Catilinae“ überliefert, der die Verschwörung als Symptom einer umfassenderen Krise verstand. Die tendenziöse Überlieferung hat zu kontroversen Urteilen in der modernen Forschung geführt, denen sich das Proseminar durch Lektüre der Quellen kritisch annähern will.
Literatur
Quellen (zur Anschaffung empfohlen):
Cicero: Vier Reden gegen Catilina, lat. u. dt. von D. Klose, Stuttgart (Reclam 9399) 1972.
Sallust: Die Verschwörung des Catilina, lat. u. dt. von K. Büchner, Stuttgart (Reclam 9428) 1972.
Literaturhinweise:
U. Heider: Lucius Sergius Catilina – ein Verbrecher aus verlorener Ehre?, in: Von Romulus zu Augustus. Große Gestalten der römischen Republik, hg. von K.-J. Hölkeskamp und E. Stein-Hölkeskamp, München 2000, 268-278.
W. Hoffmann: Catilina und die Römische Revolution, Gymnasium 66 (1959) 459-477.
 
 
Titel
Natur und Umwelt in der Antike bei Plinius d.Ä
Dozierende
Thorsten Glückhardt
Uhrzeit
Dienstag, 14-18 Uhr c.t.
Raum
HS 1231
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-W1506
Kommentar
Plinius der Ältere hat es in seiner enzyklopädischen Naturalis Historia vollbracht, zu beinahe jedem Aspekt der antiken Welt Wissen aus jahrhundertealter Tradition zusammenzuführen. Er liefert Antworten auf die verschiedensten Fragen: Wie sieht das Universum aus? Wie leben Menschen in der Ferne? Wo finde ich die schönsten Edelsteine? Darf ich diese Pflanze eigentlich essen?
Im Seminar werden wir uns Plinius, seinen Quellen und seinen Themen auf verschiedenen Wegen nähern, sodass Einblicke auch über das 1. Jh. n. Chr. und über den Themenkomplex der Natur hinaus gewährleistet sind. Da das Verhältnis von Mensch und Natur im Vordergrund stehen wird, werden Bereiche wie z.B. Nachhaltigkeit, Ästhetik, wirtschaftliche Nutzbarkeit, Urbanisierung und Landleben und Fremdwahrnehmung den Kern unseres Seminars bilden.
Da alle Quellen in zweisprachiger Ausführung behandelt werden, sind altsprachliche Kenntnisse zwar nützlich, aber nicht zwingend erforderlich; gute Englischkenntnisse werden vorausgesetzt.
Literatur
Gibson, R. K./Morello, R. (Hgg.), Pliny the Elder. Themes and Contexts. Leiden u. a. 2011.
Beagon, M., Roman Nature. The Thought of Pliny the Elder. Oxford 1992.
König, R./Winkler, G., Plinius der Ältere. Leben und Werk eines antiken Naturforschers. München 1979. (nicht mehr auf dem neusten Stand, aber zum Einstieg geeignet)
 
 
Titel
Der frühe Prinzipat
Dozierende
Philip Straub
Uhrzeit
Dienstag, 10-14 Uhr c.t.
Raum
HS 1019
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-W1501
Kommentar
Die Römische Republik, für deren Spätphase Christian Meyer den Begriff der „Krise ohne Alternative geprägt hat“, fand ihr Ende in einer Reihe blutiger Bürgerkriege, aus denen Octavius – der spätere Augustus – als endgültiger Sieger hervorging. In seiner über vierzigjährigen Alleinherrschaft etablierte er in Rom eine neue Form der Herrschaft, die in der Öffentlichkeit zwar als res publica restituta gefeiert wurde, aber tatsächlich seine Alleinherrschaft dauerhaft absicherte. Durch vorsichtiges Experimentieren mit der eigenen Rolle schuf er dabei für sich selbst und seine Nachfolger eine monarchische Stellung innerhalb des Gemeinwesens, die für uns deshalb so schwer zu greifen ist, da sie „offiziell“ gar nicht existierte und folglich nirgends festgeschrieben war.
Entsprechend schwer taten sich Augustus’ Nachfolger damit, ihre Rolle in der neuen Herrschaftsordnung zu finden, da diese in dieser frühen Phase noch ständig in einem kommunikativen Prozess mit der Nobilität und dem Volk neu definiert werden musste. Die Kaiser Caligula und Nero sind nur die bekanntesten und extremsten Beispiele dafür, welches Ausmaß die Konflikte zwischen dem Princeps und der alten Elite des Reiches annehmen konnte.
Im ersten Teil des Seminars soll zunächst ein kurzer Überblick über die letzte Phase der Römischen Republik gegeben werden, um Verständnis dafür zu schaffen, aus welcher (Un-)Ordnung der Prinzipat hervorging.
Anschließend soll erarbeitet werden, durch welche Maßnahmen Augustus seine Macht absicherte und wie es ihm gelang, seine Stellung an einen Nachfolger seiner Wahl zu vererben und somit eine Herrschaftsdynastie zu begründen.
Im dritten Teil des Seminars soll schließlich betrachtet werden, mit welchen Strategien Augustus’ Nachfolger versuchten, die Rolle des Princeps auszufüllen.
 
In Verbindung mit dem Proseminar findet ein obligatorisches Tutorat zu Methoden und Hilfsmitteln der Alten Geschichte im Umfang von 2 SWS statt.
Literatur
Crook, John A.: Chapter 3. Augustus. Power, authority, achievement, in: CAH 10 (1996), 113-146.
Eck, Werner: Augustus und seine Zeit (C. H. Beck Wissen 2084), München 2006.
Eich, Peter C.: Aristokratie und Monarchie im kaiserzeitlichen Rom, in: Beck, Hans (Hg.): Die Macht der Wenigen. Aristokratische Herrschaftspraxis, Kommunikation und ‚edler‘ Lebensstil in Antike und Früher Neuzeit (Historische Zeitschrift. Beihefte (Neue Folge) 47), München 2008, 125-151.
Kelly, Christopher: The Roman Empire. A Very Short Introduction (Very Short Introductions 150), London 2006.
Wiedemann, Thomas E. J.: Chapter 5. Tiberius to Nero, in: CAH 10 (1996), 198-255.
 
 
Titel
Caesarenwahn
Dozierende
Karin Maurer
Uhrzeit
Mittwoch, 14-18 Uhr c.t.
Raum
HS 01 009, Freiburger Materialforschungszentrum (FMZ), Stefan Meier.-Str. 21
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-W1505
Kommentar
Was passiert, wenn es der Kaiser mit seiner göttlichen Abstammung übertreibt, das Volk mit reichlich Spenden bei Laune hält, sich selbst in exotische Gewänder hüllt und Feldzüge unternimmt, deren Erfolglosigkeit mit einem Triumph belohnt werden?
Diese und andere Fragen sind Gegenstand des Proseminars. Neben den bekanntesten Vertretern wie Caligula und Nero werden auch andere Persönlichkeiten und Aspekte behandelt werden. Hauptaugenmerk liegt an der quellenkritischen Analyse literarischer Texte, da diese besonders für die „schlechten Kaiser“ sehr tendenziös sind.
Aus organisatorischen Gründen ist die Teilnahme an der ersten Sitzung obligatorisch.
Literatur
 
 
 
Titel
Konstantin der Große
Dozierende
Prof. Dr. Peter Eich
Uhrzeit
Mittwoch, 10-14 Uhr c.t.
Raum
HS 1021
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-W1503
Kommentar
Konstantin der Große (306-337) hat das Imperium Romanum in sehr vielen Aspekten dauerhaft umgestaltet. Mit ihm setzt die Forschung daher auch den Beginn der Spätantike an. Das Seminar soll in diese Zeit einführen, vor allem aber die Methodik des Umgangs mit den Quellen aus der Umbruchphase zu Beginn des 4. Jahrhunderts einüben.
Literatur
J. Bardill, Constantine, divine emperor of the Christian golden age, Cambridge 2012.
H. Brandt, Geschichte der römischen Kaiserzeit: von Diokletian und Konstantin bis zum Ende der konstantinischen Dynastie (284 – 363), Berlin 1998.
 

Proseminare in Mittelalterlicher Geschichte

 
Titel
Königtum im Frühmittelalter
Dozierende
PD Dr. Christine Kleinjung (beginnt erst in der 2. Vorlesungswoche)
Uhrzeit
Mittwoch, 14-16 Uhr c.t.
Raum
HS 1034
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151634
Kommentar
In dem Proseminar sollen in gemeinsamer Quellen- und Literaturarbeit die Grundzüge der christlichen Königsherrschaft in der Zeit der Karolinger und Ottonen vom 8.-9. Jahrhundert erarbeitet werden. Wie wird man König, wie hat sich ein idealer König zu verhalten und wie sieht die Herrschaftspraxis unter den Bedingungen des Frühmittelalters aus? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt des Seminars, das gleichzeitig eine Einführung in die Mediävistik unter europäischer Perspektive ist.
Literatur
Hans-Werner Goetz, Europa im frühen Mittelalter 500 – 1050 (Handbuch der Geschichte Europas 2), Stuttgart 2003.
Janet Nelson, Kingship and royal government, in: New Cambridge Medieval History, Volume 2: c.700–c.900, Cambridge 1995, S. 381-430.
 
 
Titel
Von Schwaben zum Saleph - Friedrich Barbarossa
Dozierende
Dr. Heinz Krieg
Uhrzeit
Freitag, 10-13 Uhr c.t.
Raum
HS 4429
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151636
Kommentar
Am Beispiel Friedrich Barbarossas, der vom Herzog von Schwaben unerwartet zum König und Kaiser aufstieg und sich nicht zuletzt durch eine ungewöhnlich lange, ereignisreiche Regierungszeit auszeichnete, bevor ihn auf ,seinem‘ Kreuzzug im Fluss Saleph schließlich ein jäher Tod ereilte, sollen grundlegende Fragen mittelalterlicher Herrschaft behandelt werden. In diesem Zusammenhang erscheint es angebracht, die ,Barbarossazeit‘ insbesondere im Spiegel der zahlreichen Konflikte zu beleuchten, welche die Herrschaft dieses prominenten Staufers prägten. Die verhältnismäßig reiche Schriftüberlieferung bietet dabei eine gute Basis, um vor allem ausgehend von intensiver Quellenarbeit in das Studium der mittelalterlichen Geschichte und Landesgeschichte einzuführen.
Literatur
Knut Görich, Friedrich Barbarossa. Eine Biographie, München 2011.
 
 
Titel
Parliament. Gesellschaft und politische Teilhabe im mittelalterlichen Königreich England  entfällt
Dozierende
Dr. Pia Eckart
Uhrzeit
Mittwoch, 16-18 c.t.
Raum
HS 1034
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151638
Kommentar
Wie funktionierte Politik im mittelalterlichen englischen Königreich? Welche Gruppen standen dem König bei der Ausübung seiner Macht zur Seite? Welche Ansprüche auf politische Teilhabe entwickelten sich in den verschiedenen Schichten der Bevölkerung und welche Ordnungsvorstellungen lagen dem gesellschaftlichen Miteinander zugrunde?
Diesen Fragen will das Proseminar durch die gemeinsame Diskussion der einschlägigen Forschungsliteratur sowie die Lektüre von Schlüsselquellen nachgehen. Das mittelalterliche Parlament stellt ein in vielerlei Hinsicht herausragendes Element des englischen Königreichs und seiner Herrschaftsstruktur dar. In breiter historischer Perspektive soll das Seminar untersuchen, mit welchen Mitteln und unter welchen Leitvorstellungen die mittelalterlichen Menschen ihre politisches und gesellschaftliches Zusammenleben ordneten und organisierten, aber auch imaginierten und fortentwickelten.
Literatur
Stephen Rigby, Approaches to Pre-Industrial Social Structure, in: Orders and Hierarchies in Late Medieval and Renaissance Europe, hrsg. v. Jeffrey Denton/Peter Lowe, Basingstoke/London 1999, S. 6-25.
 
 
Titel
Juden und Christen im Mittelalter
Dozierende
Dr. Steffen Krieb
Uhrzeit
Dienstag, 10-12 Uhr c.t.
Raum
HS 1023
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151639
Kommentar
Juden waren seit der Spätantike in Europa ansässig, zunächst in Spanien und Italien, später auch an Marktorten und in den alten Bischofsstädten des Frankenreichs. Seit dem 9. Jahrhundert bildeten sich entlang der großen Handelswege die ersten größeren jüdischen Gemeinden. Ab dem 11. Jahrhundert war ihre Existenz auch in den Bischofsstädten des römisch-deutschen Reiches die Regel. Kennzeichnend für die Geschichte der Juden im Mittelalter war ihr Status als einzige geduldete religiöse Minderheit. Ihr Verhältnis zur christlichen Mehrheitsgesellschaft war geprägt durch einen Wechsel von Phasen der Verfolgung und Vertreibung mit Phasen der friedlichen Nachbarschaft oder gar gleichberechtigter Teilhabe am städtischen Leben. Im Seminar werden die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Grundbedingungen jüdischen Lebens thematisiert werden. Besonderes Augenmerk gilt den Beziehungen mit einer religiös und sozial fremden Umwelt und den Problemen der Selbstbehauptung einer Minderheit. Von entscheidender Bedeutung sind dabei die Entstehungsbedingungen und Folgen des Fremdbildes der Mehrheitsgesellschaft sowie das in Reaktion auf das Leben in einer nichtjüdischen Umwelt entstehende Selbstbild.
Literatur
Haverkamp, Alfred (Hg.): Juden und Christen zur Zeit der Kreuzzüge, Sigmaringen 1999 (Vorträge und Forschungen, 47).
Toch, Michael: Die Juden im mittelalterlichen Reich (Enzyklopädie deutscher Geschichte, 44), 3. Auflage, München 2013.
 
 
Titel
Pilger, Missionare, Kaufleute - Fernreisen im Mittelalter
Dozierende
Dr. Steffen Krieb
Uhrzeit
Dienstag, 14-16 Uhr c.t.
Raum
HS 1023
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151640
Kommentar
Trotz der damit verbundenen Mühen und Gefahren gehörte das Reisen für viele Menschen des Mittelalters zu einer zwar nicht alltäglichen, aber dafür umso nachhaltigeren Erfahrung, die sie in Reiseberichten festhielten und weitergaben. Einer der häufigsten Reiseanlässe war der Wunsch, am Grab eines berühmten Heiligen zu beten, wodurch die Gläubigen nicht nur zu Orten der näheren Umgebung, sondern bis nach Rom, Santiago de Compostela oder zum Fegefeuer des heiligen Patrick nach Irland gelangten. Im Gefolge der Kreuzzüge und auch noch nach dem Verlust der heiligen Stätten in Palästina reisten Pilger ins Heilige Land, um durch den Besuch der Orte des Wirkens Christi auf Erden ihr eigenes Seelenheil zu sichern. Neben die religiösen Motive traten bereits seit dem 13. Jahrhundert weitere Reiseanlässe und -ziele, die das empirische Wissen der Europäer über die Welt erweiterten und zu intensiven Kontakten mit anderen Kulturen führten. Neben die diplomatischen Missionen zu den Mongolen und die Reisen von Kaufleuten auf der Suche nach den Kostbarkeiten Asiens sind auch die Anfänge der „Grand Tour“ zu stellen, die bis ins 19. Jahrhundert hinein zur Ausbildung junger Adeliger gehörte. Die in den Reiseberichten niedergelegten Erfahrungs- und Wissensbestände bewirkten Veränderungen im Weltbild, das die Grundlage für die Entdeckungen und die Expansion Europas am Beginn der Neuzeit bildete. Im Mittelpunkt des Seminars stehen Reisen in die Randzonen Europas und nach Übersee, i.e. den Nahen Osten, Zentral- und Ostasien. Die in diesem Kontext entstandenen Reiseberichte und weitere Quellen sollen im Hinblick auf die Konfrontation mit fremden Kulturen, Sprachen, Verhaltensweisen und Religionen analysiert werden. Zudem wird gefragt, ob und auf welche Weise die auf Reisen gemachten Erfahrungen in traditionelle Deutungshorizonte integriert wurden oder zu deren Erschütterung beitrugen. Schließlich soll durch die Einbeziehung von Berichten außereuropäischer Reisender auch ein Blick von außen auf unseren Kontinent geworfen werden.
Literatur
Reichert, Folker: Erfahrung der Welt. Reisen und Kulturbegegnung im späten Mittelalter, Stuttgart 2001.
Reichert, Folker (Hg.): Quellen zur Geschichte des Reisens im Spätmittelalter, Darmstadt 2009 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, 46).
 
 
Titel
Die Hanse
Dozierende
Marco Tomaszewski
Uhrzeit
Dienstag, 14-16 Uhr c.t.
Raum
R 206, Breisacher Tor
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151637
Kommentar
Lufthansa, Hansaplast, die Hansestädte oder der Begriff des Hanseaten: Als Markenname oder Identitätsmerkmal ist die Hanse noch heute von Bedeutung. Diese Hanse, die im Mittelalter entstand und sich seit dem 17. Jahrhundert allmählich aufzulösen schien, stellt das Thema des Seminars dar.
Anhand moderner, an staatlichen oder wirtschaftlichen Organisationsformen orientierten Kategorien lässt sich das Phänomen Hanse schwer fassen. Sie diente vor allem den Handelsinteressen der in ihr zusammengeschlossenen Kaufleute, spielte dabei aber auch politisch eine Rolle.
Neben einer allgemeinen Einführung in die Geschichte der Hanse gibt das Seminar auch grundlegende Einblicke in Herrschaftsstrukturen und Wirtschaftsräume des vormodernen Europa, greift Fragen der vormodernen Wirtschafts-, Handels- und Sozialgeschichte, der Stadtgeschichte und städtischer Konflikte auf. Außerdem werden Aspekte der Alltags- und Kulturgeschichte vormoderner Kaufleute behandelt. Mit der Frage, wie die Hanse von der Geschichtswissenschaft interpretiert wurde, soll auch die Forschungsgeschichte betrachtet werden.
Unter dem Einfluss älterer Forschungsmeinungen wird noch immer häufig von mittelalterlichem Aufstieg und Blüte sowie frühneuzeitlichem Niedergang der Hanse gesprochen. Allerdings hat die Hanse weder ein festes Gründungsdatum noch ein eindeutig bestimmbares Ende. Das Seminar nimmt deshalb den großen Zeitraum vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit in den Blick. Dabei soll eine möglichst unvoreingenommene Perspektive auf das Phänomen der Hanse gewonnen werden, wobei vor allem die spezifischen Strukturen und Funktionsweisen der Hanse im Mittelpunkt des Interesses stehen, ohne diese schon vorher zu bewerten.
Literatur
Hammel-Kiesow, Rolf: Die Hanse, 5., aktual. Aufl. München 2014; Jahnke, Carsten: Die Hanse, Stuttgart 2014; Selzer, Stephan: Die mittelalterliche Hanse, Darmstadt 2010; Hammel-Kiesow, Rolf; Puhle, Matthias; Wittenburg, Siegfried: Die Hanse, Darmstadt 2009.
 
Titel
Geschichtsschreibung im Spätmittelalter
Dozierende
Ina Serif
Uhrzeit
Mittwoch, 16-18 c.t.
Raum
HS 1034
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151638
Kommentar

Geschichtsschreibung wurde im Mittelalter lange Zeit nur von einem kleinen Kreis von Gelehrten betrieben.Im Übergang zum Spätmittelalter lassen sich große gesellschaftliche Veränderungen feststellen, die auch vor dem Bereich der Geschichtsschreibung nicht Halt machten: Auch Schichten abseits vom Klerus interessierten sich zunehmend für ihre Vergangenheit und verlangten nach Texten in den Volkssprachen. Dies führte sowohl zu einem Anstieg der Literaturproduktion im Allgemeinen als auch zum Aufkommen neuer historiographischer Gattungen spätestens seit dem 14. Jahrhundert. Neben die traditionsreichen Universalchroniken oder Klosterannalen traten neue Formen wie Stadt- oder Familiengeschichtsschreibung.Dieser neuen Vielfalt der Geschichtsschreibung soll im Seminar bis ins 16. Jahrhundert hinein nachgegangen werden. Neben der Funktion der Erinnerung (memoria) sollen weitere Funktionen historiographischer Werke ausgemacht und ihre unterschiedlichen Entstehungs- und Überlieferungsgeschichten betrachtet werden. Aspekte der Produktion und Rezeptionspielen dabei ebenso eine Rolle wie die Frage nach dem Umgang mit und der Weitergabe von historischem Wissen. Hierzu werden exemplarische Werke vorgestellt und gemeinsam anhand aktueller Ansätze analysiert und diskutiert. Gleichzeitig wird der Umgang mit mittelalterlichen Quellen und den im Tutorat vermittelten Hilfswissenschaften eingeübt. Neue Zugänge zu historiographischen Texten und aktuelle Ansätze in der Forschung sollen kennengelernt und diskutiert werden.

Das Tutorat von Charlotte Stein zu diesem Proseminar findet dienstags 14-16 Uhr in der Bismarckallee R5 statt.

Literatur
Rau, Susanne und Birgit Studt (Hrsg.): Geschichte schreiben. Ein Quellen- und Studienhandbuch zur Historiographie (ca. 1350 – 1750). Berlin 2010; Johanek, Peter: Geschichtsüberlieferung und ihre Medien in der Gesellschaft des späten Mittelalters. In: Meier, Christel (Hrsg.): Pragmatische Dimensionen mittelalterlicher Schriftkultur. München 2002, S. 339-358.
 

Proseminare in Neuerer und Neuester Geschichte

 
Titel
Die Hanse
Dozierende
Marco Tomaszewski
Uhrzeit
Dienstag, 14-16 Uhr c.t.
Raum
R 206, Breisacher Tor
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151637
Kommentar
Lufthansa, Hansaplast, die Hansestädte oder der Begriff des Hanseaten: Als Markenname oder Identitätsmerkmal ist die Hanse noch heute von Bedeutung. Diese Hanse, die im Mittelalter entstand und sich seit dem 17. Jahrhundert allmählich aufzulösen schien, stellt das Thema des Seminars dar.
Anhand moderner, an staatlichen oder wirtschaftlichen Organisationsformen orientierten Kategorien lässt sich das Phänomen Hanse schwer fassen. Sie diente vor allem den Handelsinteressen der in ihr zusammengeschlossenen Kaufleute, spielte dabei aber auch politisch eine Rolle.
Neben einer allgemeinen Einführung in die Geschichte der Hanse gibt das Seminar auch grundlegende Einblicke in Herrschaftsstrukturen und Wirtschaftsräume des vormodernen Europa, greift Fragen der vormodernen Wirtschafts-, Handels- und Sozialgeschichte, der Stadtgeschichte und städtischer Konflikte auf. Außerdem werden Aspekte der Alltags- und Kulturgeschichte vormoderner Kaufleute behandelt. Mit der Frage, wie die Hanse von der Geschichtswissenschaft interpretiert wurde, soll auch die Forschungsgeschichte betrachtet werden.
Unter dem Einfluss älterer Forschungsmeinungen wird noch immer häufig von mittelalterlichem Aufstieg und Blüte sowie frühneuzeitlichem Niedergang der Hanse gesprochen. Allerdings hat die Hanse weder ein festes Gründungsdatum noch ein eindeutig bestimmbares Ende. Das Seminar nimmt deshalb den großen Zeitraum vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit in den Blick. Dabei soll eine möglichst unvoreingenommene Perspektive auf das Phänomen der Hanse gewonnen werden, wobei vor allem die spezifischen Strukturen und Funktionsweisen der Hanse im Mittelpunkt des Interesses stehen, ohne diese schon vorher zu bewerten.
Literatur
Hammel-Kiesow, Rolf: Die Hanse, 5., aktual. Aufl. München 2014; Jahnke, Carsten: Die Hanse, Stuttgart 2014; Selzer, Stephan: Die mittelalterliche Hanse, Darmstadt 2010; Hammel-Kiesow, Rolf; Puhle, Matthias; Wittenburg, Siegfried: Die Hanse, Darmstadt 2009.
 
 
Titel
"Unterm Krummstab ist gut leben"? Geistliche Herrschaft im Alten Reich
Dozierende
Dr. Christian Kühner
Uhrzeit
Donnerstag, 14-16 Uhr c.t.
Raum
Übungsraum 2, KG IV
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-2015165
Kommentar
Sieht man vom Sonderfall des Kirchenstaates ab, war das Heilige Römische Reich deutscher Nation das einzige wichtige Staatswesen in Europa, in dem Geistliche als weltliche Fürsten über weite Territorien herrschten. Dabei reichten die geistlichen Territorien von kleinen Reichsabteien, die über ihr unmittelbares Umland herrschten, bis zu recht mächtigen Territorien wie dem Fürsterzbistum Salzburg und insbesondere den drei geistlichen Kurfürstentümern Köln, Mainz und Trier. Wie funktionierten diese Gemeinwesen, in denen die religiöse Autorität auch die politische war? Entsprachen dem geradezu sprichwörtlichen "Unterm Krummstab ist gut leben" greifbare Vorteile eines Lebens in geistlichen Territorien? Das Seminar wird nach einem Überblick über die Stellung der geistlichen Territorien in der Reichsverfassung einige Fallbeispiele in den Blick nehmen, um die Bandbreite geistlicher Herrschaft aufzuzeigen. Der nächste Schwerpunkt soll den Herrschern der Territorien gelten, die ja wegen des Zölibats keine Erbdynastien bilden konnten: Es soll gezeigt werden, wie zum einen der Kleinadel in den geistlichen Fürstentümern Wege des Aufstiegs fand - und wie zum anderen der fürstliche Adel danach strebte, die geistlichen Fürstentümer durch Besetzung entweder mit Familienangehörigen oder mit Klienten an sich zu binden. Danach soll das Alltagsleben in geistlichen Territorien in den Blick genommen werden; dabei wird die Aufmerksamkeit einerseits dem Leben in Dörfern und Marktflecken unter geistlicher Herrschaft gelten, andererseits aber auch und gerade den geistlichen Residenzstädten, unter denen auch viele der politisch unbedeutenderen als Zentren von Kunst und Mäzenatentum hervortraten. Das Modell "geistliche Herrschaft" war natürlich besonders prekär, wenn es unter den Untertanen Andersgläubige gab; deswegen soll die Problematik protestantischer Minderheiten in geistlichen Fürstentümern besondere Aufmerksamkeit erhalten, auch und gerade jene Fälle, wo die latente Spannung zwischen katholischem geistlichen Fürsten und protestantischen Untertanen eskalierte und zu Verfolgung und Vertreibung führte. Schließlich sollen jene Fürstbischöfe des 18. Jahrhunderts in den Blick genommen werden, die das Modell des "aufgeklärten Absolutismus" in ihren Territorien zu praktizieren versuchten - das in deutliche Spannung zur geistlichen Legitimationsgrundlage der Herrschaft geriet. Den Abschlusspunkt wird das Ende der geistlichen Fürstentümer in der Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschluss bilden.
 
Hausarbeitsthemen zur deutschen Geschichte
Literatur
Braun, Bettina, Princeps et Episcopus. Studien zur Funktion und zum Selbstverständnis der nordwestdeutschen Fürstbischöfe nach dem Westfälischen Frieden, Göttingen 2013; Brommer, Hanna, Rekatholisierung mit und ohne System. Die Hochstifte Würzburg und Bamberg im Vergleich (ca. 1555-1700), Göttingen 2014; Götz, Roland (Hg.), Vom Domberg nach München. Beiträge und Quellen zu Geschichte und Beständen der Freisinger Archive vor, während und nach der Säkularisation, Regensburg 2014; Monge, Mathilde, Des communautés mouvantes. Les « sociétés des frères chrétiens » en Rhénanie du Nord. Juliers, Berg, Cologne vers 1530-1694, Genf 2015; Pelizaeus, Ludolf (Hg.), Kontrolle und Nutzung. Medien in geistlichen Gebieten Europas, 1680-1800, Frankfurt am Main u.a 2011; Weber, Sascha, Katholische Aufklärung? Reformpolitik in Kurmainz unter Kurfürst-Erzbischof Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim 1763-1774, Mainz 2013.
 
 
Titel
Reich, Territorialstaat und Dynastie: Bayern und die bayerischen Wittelsbacher im Alten Reich
Dozierende
Dr. Christian Kühner
Uhrzeit
Dienstag, 14-16 Uhr c.t.
Raum
HS 1034
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-2015164
Kommentar
Das Alte Reich bestand zwar aus einer schwer überschaubaren Vielzahl von Territorien; da jedoch die überwiegende Mehrzahl von ihnen Kleinterritorien waren, gab es letztlich nur eine Handvoll mächtiger Reichsfürsten. Diese hochadligen Landesherren und ihre Familien beschränkten ihre politischen Ambitionen bei weitem nicht auf ihre eigenen Herrschaftsgebiete, sondern beanspruchten einerseits gewichtigen Einfluss bei der Regierung des Reiches als Ganzem und praktizierten andererseits eine eigene, europaweite Bündnispolitik.
Bayern und seine Herrscherdynastie, die Wittelsbacher, können als ein besonders herausgehobenes Beispiel für dieses Phänomen herangezogen werden. Das Seminar will den frühneuzeitlichen bayerischen Staat und seine Herrscherfamilie im dreifachen Spannungsfeld von Reichspolitik, europäischer Politik und Konfessionsspaltung untersuchen. Es soll also mitnichten um reine Regionalgeschichte gehen, sondern um die vielfältigen Verflechtungen, Konflikte und Handlungsspielräume eines mittelgroßen, zudem in den Reichsverband eingebundenen Gemeinwesens der europäischen Frühneuzeit.
Das Seminar wird zunächst den Blick darauf richten, wie die Wittelsbacher Bayern zielstrebig zu einem frühmodernen Staatswesen ausbauten - ein Prozess, in dessen Verlauf nicht nur München zu einer der wichtigsten Residenzstädte des Alten Reiches heranwuchs, sondern auch die katholische Konfession kompromisslos durchgesetzt wurde. Danach werden wichtige Etappen der Rolle Bayerns in der Reichspolitik im Mittelpunkt stehen: das Streben nach der Kurwürde, die Führungsrolle in der katholischen Liga, die Rolle Bayerns im Dreißigjährigen Krieg, das spannungsreiche Verhältnis zu den Habsburgern, die für die Wittelsbacher nicht nur Kaiserhaus, sondern auch unmittelbare Nachbarn und somit Konkurrenten um Einfluss in der geographischen Region des eigenen Machtzentrums waren. Weiter wird untersucht werden, wie das Haus Wittelsbach nicht nur eine europaweite Heiratspolitik (etwa mit Lothringen und Savoyen) und eine ebenso weit gespannte politische Bündnispolitik (insbesondere mit Frankreich) pflegte, sondern auch, wie die Wittelsbacher durch Familien- und Klientelpolitik (insbesondere mit Blick auf die geistlichen Fürstentümer) danach strebten, ihren Einfluss im Reich über Bayern hinaus auszuweiten. Den Abschluss werden zwei Episoden des 18. Jahrhunderts bilden, in denen sich noch einmal alle Spannungen der Position Bayerns im Reich und in Europa in der Frühen Neuzeit bündelten: das Kaisertum Karls VII. (des einzigen römisch-deutschen Kaisers der Frühen Neuzeit, der kein Habsburger war) und der bayerische Erbfolgekrieg.
Literatur
Babel, Rainer (Hg.), Bourbon und Wittelsbach. Neuere Forschungen zur Dynastiegeschichte, Münster 2010; Ellrich, Hartmut, Die Wittelsbacher in Bayern und am Rhein, Petersberg 2014; Hartmann, Peter Claus, Bayerns Weg in die Gegenwart. Vom Stammesherzogtum zum Freistaat heute, Regensburg 3. Aufl. 2012; Holzfurtner, Ludwig, Die Wittelsbacher. Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten, Stuttgart 2005; Körner, Hans-Michael, Die Wittelsbacher. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2009; Kraus, Andreas/Schmid, Alois (Hg.), Handbuch der Bayerischen Geschichte, 4 Bde., München 2. Aufl. 1981-2007; Krems, Eva-Bettina, Die Wittelsbacher und Europa. Kulturtransfer am frühneuzeitlichen Hof, Köln/Weimar/Wien 2012; Strasser, Ulrike, State of Virginity. Gender, Religion, and Politics in an Early Modern Catholic State, Ann Arbor 2004; Thomas, Andrew L., A House Divided. Confessional Court Cultures in the Holy Roman Empire, c. 1550-1650, Leiden 2010.
 
 
Titel
Religion in Colonial America
Dozierende
Dr. Simone Müller
Uhrzeit
Mittwoch, 10-12 Uhr c.t.
Raum
HS 1142
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151641
Kommentar
Many early European settlers came to North America to worship their faith ‘in the correct way’. Oftentimes persecuted in the Old World, the New World provided many European refugees with a religious save haven. Quakers, Puritans and Jews alike dreamed up a ‘City Upon a Hill’ or a ‘holy experiment’, the success of which would prove that God’s plan could be successfully realized in the American wilderness.
Most of those settlers came from Protestant backgrounds in Britain and the Continent, with a small proportion of Catholics and a few Jews in port cities. The English and the German Americans brought along multiple Protestant denominations. Several colonies had an ‘established’ church, which meant that local tax money went to the established denomination. Freedom of religion became a basic American principle, and numerous new movements emerged, many of which became established denominations in their own right. In the end, although a religious save haven, Colonial America was not free of religious persecution, as the Salem Witch Trials or the colonists’ relation to indigenous spirituality, for instance, exhibited.
Historians have often debated the role of religion in the forming of colonial America and its impact on the United States. Did the Founding Fathers really create a secular state? If there is a true separation of state and church why does it matter whether the American President is Muslim or Mormon?
This seminar wants to look at Colonial America from the perspective of religion in order to understand some of the most fundamental principles of the American nation and its identity.
 
The class will be held in English. It is worth 10 ECTS credit points.
Literatur
 
 
 
Titel
Empire and Development: Struggle for Control of the Black Sea 1774-1918
Dozierende
Dr. Iannis Carras (Vertretung Herzberg)
Uhrzeit
Montag, 10-14 Uhr c.t. (inkl. Tutorat, 12:-14 Uhr)
Raum
HS 1034
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151620
Kommentar
The history of seas is the history of spaces that people moved through, dwelt around, and fought over. This seminar will examine the interface between the projection of imperial power and the creation of an increasingly globalised world of commercial exchange as these impacted upon the coast of the Black Sea.

During this period the Black Sea was the focus for imperial conflict between the Russian, Polish, Habsburg and Ottoman Empires. Russia’s eventual dominance was challenged in the Crimea war, in some ways the first modern war. Populations were expelled, or worse. Ukraine in its current form is the consequence of these conflicts.

Particular attention will be paid to ways in which imperial conflict impacted upon natural and built environments. From a nomadic steppe, southern Ukraine was to become the breadbasket of Europe. Over twenty five major port-cities were constructed along the Black Sea coasts, building-blocks of imperial domination. Rivers were made navigable, roads and rail constructed. Jewish, German and other migrants flooded in.

The focus of the course will be the northern Black Sea coast, but developments in the Ottoman Empire including the Balkan coast will be woven into the story. A range of sources including maps, architecture and town-plans, paintings and photographs, letters, data, and the literature of the Black Sea (Gogol, Tolstoy etc.) will be examined.

Student requirements

The course will include student mapmaking, participation in a debate, a port-city development project, a student-made video on an aspect of the Crimean War, an essay and an examination.

The course will be conducted mainly in English, but student presentations and written work may be delivered/submitted in German should the student wish to do so.

Literatur
 
 
 
Titel
Frankreich, Großbritannien und Deutschland nach der Revolutionszeit 1815 – ca. 1830
Dozierende
Fabian Rausch
Uhrzeit
Dienstag, 14-16 Uhr c.t.
Raum
R 106, Breisacher Tor
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151613
Kommentar
Die Bewältigung der politischen und sozialen Verwerfungen der Revolutionszeit, die mit den Koalitionskriegen sowie der versuchten Neuordnung Europas durch Napoleon Bonaparte erhebliche Auswirkungen über die französischen Grenzen hinaus hatte, beschäftigte die Gesellschaften des Kontinents weit über die herkömmliche Epochenzäsur 1815 hinaus. Jenseits klassischer Meistererzählungen von ‚Restauration‘, ‚Reaktion‘ oder ‚Biedermeier‘ nimmt das Proseminar die vielfältigen politischen Ordnungsentwürfe in den Blick, mit denen die Zeitgenossen in Frankreich, den deutschen Staaten und Großbritannien den Herausforderungen dieser postrevolutionären Konstellation begegneten. Frankreich als Ausgangspunkt der Revolution bietet sich dabei für einen vergleichenden Blick ebenso an wie das Gebiet des deutschen Bundes, das tiefgreifende Umwälzungen durch die napoleonische Zeit erlebte. Großbritannien verdeutlicht den Einfluss der Revolutionszeit auf ein politisches System, das diese scheinbar unverändert überdauerte. Die skizzierten Herausforderungen betrafen zahlreiche politische Felder, von denen sich das Proseminar exemplarisch den folgenden annehmen will: 1. Europäische Diplomatie und der Versuch einer Friedensordnung; 2. Verfassungen und die Frage nach legitimer Herrschaft 3. Nation, Nationalismus und Nationalgeschichte(n).
Teilnahmevoraussetzung sind gute Englischkenntnisse; weitere Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Französisch, sind sehr willkommen.
Literatur
Einführende Literatur: Andreas Fahrmeir, Europa zwischen Restauration, Reform und Revolution 1815 - 1850, München 2012 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 41); Dieter Langewiesche, Europa zwischen Restauration und Revolution. 1815 - 1849, München 2010 Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 13); Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800 - 1866. Bürgerwelt und starker Staat, München 2013; Boyd Hilton, A mad, bad, and dangerous people? England, 1783 - 1846, Oxford 2008 (The new Oxford history of England); Bertrand Goujon, Monarchies postrévolutionnaires. 1814 - 1848, Paris 2012.
 
 
Titel
Massenexodus. Europa und die transatlantische Migration 1815-1914
Dozierende
Claudia Gatzka
Uhrzeit
Montag, 16-18 Uhr c.t.
Raum
Breisacher Tor, Raum 105 (Achtung Raumänderung!)
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151614
Kommentar
Mit dem Ende der Napoleonischen Kriege setzten in Europa Migrationsprozesse in vorher ungekanntem Maße ein und begleiteten den Wandel von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft. Kennzeichnend für dieses „Jahrhundert der Migration“ bis 1914 war die proletarische Massenauswanderung aus ländlichen Regionen in die sogenannte Neue Welt jenseits des Atlantiks. Doch auch innerhalb Europas bewegten sich Arbeitsmigranten und politische Flüchtlinge über nationale Grenzen hinweg. Das Proseminar beleuchtet in chronologischer Perspektive die verschiedenen regionalen Wanderungsphasen und erarbeitet Ursachen und Faktoren der sich ausbreitenden Emigration sowie deren Effekte auf die Ausgangs- und Aufnahmegesellschaften. In einem zweiten Schritt blickt es auf Migration als einen zirkulären Prozess, der nicht selten auch die (temporäre) Rückkehr umfasste. Dabei wird sich den Migranten als transnationalen Akteuren gewidmet, die sich über weite Räume bewegten und dabei mit staatlichen Kontrollinstanzen, einer gewinnorientierten Auswanderungsindustrie, Erfahrungen der Fremdheit und der Frage der Akkulturation konfrontiert waren. Dabei agierten sie in Kommunikationsnetzwerken, bildeten ethnische Gemeinschaften aus und wirkten im Ausland an der europäischen Nationsbildung mit.
Am Beispiel der historischen Migrationsforschung führt das Proseminar so in die europäische und transatlantische Geschichte des 19. Jahrhunderts ein. Als Emigrations-, Durchgangs- und Immigrationsländer geraten neben den USA, Deutschland und den britischen Inseln auch Italien, Ost- und Ostmitteleuropa in den Blick.
 
Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft zu englischsprachiger Lektüre. Weitere Sprachkenntnisse sind willkommen, aber keine Voraussetzung. Als Studienleistungen sind ein Impulsreferat, zwei Essays sowie eine Klausur zu erbringen.
Literatur
Einführende Literatur:
Klaus J. Bade, Europa in Bewegung. Migration vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 2002; Jochen Oltmer, Migration im 19. und 20. Jahrhundert, München 2010; Andreas Fahrmeir/Olivier Faron/Patrick Weil (Hg.), Migration Control in the North Atlantic World. The Evolution of State Practices in Europe and the United States from the French Revolution to the Inter-War Period, New York/Oxford 2003; Jan Lucassen /Leo Lucassen (Hg.), Migration, Migration History, History. Old Paradigms and New Perspectives, Bern 1997. 
 
 
Titel
Die vierte Gewalt: Presse und Politik in Deutschland und Frankreich (1789-1914)
Dozierende
Dr. Theo Jung
Uhrzeit
Montag, 18-20 Uhr c.t.
Raum
R 2, Peterhof
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151612
Kommentar
Während über die unverzichtbare Rolle der Presse in der Demokratie heutzutage weitgehend Konsens besteht, werden gleichzeitig immer wieder Klagen über ihre exzessive Macht in der „Mediokratie“ laut. Die Weichen für dieses Spannungsverhältnis wurden im langen 19. Jahrhundert gestellt, als die Presse eine bisher ungekannte Wirkung entfaltete und sich als eine – wenn nicht die – wesentliche Bedingung politischen Handelns etablierte. Ziel dieses Seminars ist es, anhand von Fallstudien aus Deutschland und Frankreich einen Überblick über die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung zu bieten. Dabei soll nicht nur die Presse selbst in ihren Dimensionen medialer Produktion, Diffusion und Rezeption in den Blick kommen, sondern auch die rechtlichen, sozialen, wirtschaftlichen und technischen Voraussetzungen, welche ihren Aufstieg als neue politische Macht erst ermöglichten. Leitfrage ist dabei stets, welche Wirkung die Presse durch ihre Formen der Berichterstattung und Kritik, Meinungsbildung und Aufmerksamkeitslenkung, Aufdeckung und Verschleierung auf die Gestaltung politischer Prozesse auszuüben vermochte.
Französischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
Studienleistungen: Klausur, 2 Essays, Protokoll, 2 Essaykorrekturen.
Literatur
Jörg Requate: Journalismus als Beruf. Entstehung und Entwicklung des Journalistenberufs im 19. Jahrhundert. Deutschland im internationalen Vergleich, Göttingen 1995.
 
 
Titel
Palästina im 19. Jahrhundert
Dozierende
Dr. Heinrich Schwendemann
Uhrzeit
Dienstag, 13-16 Uhr c.t.
Raum
Übungsraum 2, KG IV
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151635
Kommentar
Im Jahr 1839 eröffnete Großbritannien als erste europäische Macht in Jerusalem ein Konsulat, andere sollten bald diesem Beispiel folgen. Palästina wurde Schauplatz von Konkurrenzkämpfen der europäischen Mächte, die vordergründig zwar vorgaben, christliche Minderheiten zu unterstützen, tatsächlich jedoch versuchten, ihren politischen Einfluss im Osmanischen Reich zu vergrößern. Bis heute zeugen Bauten von Kirchen und Hospizen im Stadtbild von Jerusalem von jener Rivalität. Palästina wurde en vogue: Eine Flut von Berichten über Reisen im Heilige Land, über archäologische Grabungen auf den Spuren der Bibel oder über neueste kulturgeographische Erkenntnisse, aber auch organisierte Pilger- und Bildungsreisen faszinierten das europäische Publikum. Schließlich setzte in den achtziger Jahren die zionistische Einwanderung in das „Land der Väter“ ein, der Anfang eines weltpolitischen Dauerkonfliktes zwischen Juden und Arabern. Im Ersten Weltkrieg wurde Palästina Kriegsschauplatz, weite Teile des Landes zerstört. Die Siegermacht Großbritannien übernahm schließlich die Herrschaft über das Gebiet. Wir werden uns mit dem Thema auf vielfältige Art näheren, sowohl in der politischen Dimension als auch den wirtschaftlichen, sozialen und vor allem kulturellen Aspekten.
Literatur
Krämer, Gudrun, Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel, München 2002 (Tb); Schölch, Alexander, Palästina im Umbruch, 1856-1882, Stuttgart 1986; Perry, Yaron; Petry, Erik (Hrsg.), Das Erwachen Palästinas im 19. Jahrhundert. Alex Carmel zum 70. Geburtstag, Stuttgart 2001; Kushner, David (Hrsg.), Palestine in the late Ottoman period. Political, Social and Economic Transformation, Jerusalem 1986
 
 
Titel
China und die Weltwirtschaft, 1850-1950
Dozierende
Dr. Martin Bemmann
Uhrzeit
Donnerstag, 8-10 Uhr c.t.
Raum
HS 4429
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151630
Kommentar
Der „Opiumkrieg“ der 1840er Jahre hatte die Öffnung des chinesischen Markts für die Waren aus Großbritannien und anderen industrialisierten Ländern zum Ziel. Mithin ging es also um die Einbeziehung Chinas in die entstehende Weltwirtschaft. Ausgehend von diesen Ereignissen in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird das Seminar fragen, ob – und wenn ja, wie – dieses Ziel erreicht worden ist. Welche Konsequenzen hatte das teils rabiate Vorgehen westlicher Staaten gegenüber China im 19. und frühen 20. Jahrhundert für die Wirtschaft des großen asiatischen Reiches? Inwiefern beeinflusste das globale wirtschaftliche Geschehen Entwicklungen in China und wie agierten Chinesen in der Weltwirtschaft? Und lässt sich von so etwas wie einer chinesischen Wirtschaftskultur sprechen, die sich von jener anderer Weltregionen unterschied?
Literatur
Werner Abelshauser / David Gilgen / Andreas Leutzsch (Hrsg.): Kulturen der Weltwirtschaft, Göttingen 2012;Sabine Dabringhaus: Geschichte Chinas 1279-1949, München 32015; Lloyd E. Eastman: Family, Field, andAncestors. Constancy and Change in China’s Social and Economic History, 1550-1949; John K. Fairbank / Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bde. 10-13, Cambridge 1978, 1980, 1983, 1986; Jürgen Osterhammel: China und die Weltgesellschaft. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit, München 1989.
 
 
Titel
Versailles – Globalgeschichte eines Friedens, 1919-1939
Dozierende
Dr. Helke Rausch
Uhrzeit
Montag, 10-12 Uhr c.t.
Raum
Übungsraum 2, KG IV
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151610
Kommentar
Den totalen Ersten Weltkrieg mit einem Friedensschluss zu beenden, der eine schier unübersehbare Fülle globaler Konflikte beschwichtigen sollte, musste einer Herkulesaufgabe gleichen. Im Seminar soll es zum einen darum gehen, wie der 1919 unterzeichnete Vertrag von Versailles zustandekam, welche Weltordnungsvisionen seine wichtigsten Protagonisten, häufig nicht national einstimmig, vertraten, und welchem enormen (Ver)Handlungsdruck die „Friedensmacher“ ständig unterlagen. Zum anderen wird untersucht, wie der Vertrag in den frühen 1920er Jahren in Signatarstaaten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien, aber auch von den USA und im globalen Süden und Osten wahrgenommen und kommentiert wurde. Zuletzt geht es um die Frage, wie viel langfristiges Befriedungs- und Sicherheits-Potential das Vertragswerk im Blick auf zentrale Konfliktkonstellationen bis in die 1930er Jahre hinein entfalten konnte. Den Fragehorizont bildet u.a. die unvermeidliche Überlegung, ob und in welchem Maße den Versailler Vertragsregelungen anzulasten sein könnte, dass der nächste Weltkrieg nach nur 20 Jahren ausbrach.
Literatur
Norman A. Graebner, Edward M. Bennett, The Versailles Treaty and Its Legacy. The Failure of the Wilsonian Vision, Cambridge  2011; Hans-Christof Kraus, Versailles und die Folgen. Außenpolitik zwischen Revisionismus und Verständigung 1919–1933, Bonn 2014.
 
 
Titel
Sozialgeschichte des Bildungsbürgertums im Kaiserreich und Weimarer Republik
Dozierende
Tobias Winter
Uhrzeit
Mittwoch, 12-14 Uhr c.t.
Raum
HS 4429
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151633
Kommentar
Das lange 19. Jahrhundert galt schon Zeitgenossen als „bürgerliches Zeitalter“. Das Bürgertum als gesellschaftliche Schicht zwischen Bauerntum und Adel erfuhr seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert eine Binnendifferenzierung und brachte das – erst im Nachhinein so bezeichnete – „Bildungsbürgertum“ hervor. Das Seminar zielt darauf ab, den Bildungsbürger zu charakterisieren, im gesamtgesellschaftlichen Gefüge zu verorten und seine Entwicklung bis ins 20. Jahrhundert hinein zu verfolgen. Anhand exemplarischer Vertreter und spezifischer Kontroversen und Ereignisse soll diskutiert werden, wie sich diese gesellschaftliche Gruppierung konstituierte, abgrenzte und auf Transformationsprozesse reagierte. Neben sozialgeschichtlichen Aspekten können in diesem Kontext auch kulturgeschichtliche Entwicklungen untersucht und literarisch-künstlerische Quellen miteinbezogen werden.
Die Frage, ob die Herausbildung des Bildungsbürgertums einen deutschen Sonderfall darstellt, soll durch punktuelle Vergleiche mit dem europäischen Ausland eruiert werden. Ein abschließender Ausblick auf die Entwicklung des Bildungsbürgertums unter nationalsozialistischer Herrschaft bildet den Endpunkt der Betrachtung.
 
Das Tutorat von Daniel Scholaster dazu wird freitags von 14-16 Uhr im HS 4429 stattfinden.
Literatur
Kocka, Jürgen: Das europäische Muster und der deutsche Fall, in: Ders. (Hg.): Bürgertum im 19.
Jahrhundert. Band I: Einheit und Vielfalt Europas, Göttingen 1995, S. 9-75; Ringer, Fritz K.: Die
Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933, München 1987; Jarausch, Konrad
H.: Deutsche Studenten 1800-1970, Frankfurt am Main 1984; Kocka, Jürgen: Bildungsbürgertum –
Gesellschaftliche Formation oder Historikerkonstrukt?, in: Ders. (Hg.): Bildungsbürgertum im 19.
Jahrhundert. Teil IV. Politischer Einfluß und gesellschaftliche Formation, Stuttgart 1989, S. 9-20;
Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1866-1918. Band I, Arbeitswelt und Bürgergeist,
München 1993 (3. Aufl.), S. 374-395.
 
 
Titel
Deutschland und die USA 1933–1945
Dozierende
Dr. Helke Rausch
Uhrzeit
Dienstag, 12-14 Uhr c.t.
Raum
HS 4429
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-2015169
Kommentar
Dass die offiziellen Amerikavoten im nationalsozialistischen Deutschland spätestens nach der deutschen Kriegserklärung an die USA im Dezember 1941 apokalyptisch ausfielen, kann nicht verwundern. Ebensowenig überrascht, dass die New Deal-Politik des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt häufig mit einem demonstrativen Anti-Totalitarismus einherging, der auch auf das faschistische Italien, v.a. aber auf das NS-Herrschaftssystem gemünzt war. Aber in solchen wechselseitigen Negativstereotypen ging die transatlantische Konstellation seit der Machtübernahme in Deutschland und dem Präsidentschaftswechsel in den USA 1933 bei Weitem nicht auf. Beim Blick weg von den Rhetoriken hin zur Wirtschafts- und Sozialpolitik ist sogar von einer Art „Verwandtschaft“ von NS und New Deal gesprochen worden. Zwar ist diese Diagnose, wie untersucht werden wird, kaum haltbar. Umgekehrt wollten mindestens Teile der NS-Eliten durchaus Anleihen am fordistischen Produktionsregime in den USA machen und interessierten sich manche New Dealer für die Arbeitsmarktpolitik des NS. – Entlang solcher und anderer Achsen führt das PS ein in die transatlantische Beziehungs- und Transfergeschichte zwischen 1933 und 1945.
Literatur
Wolfgang Schivelbusch, Entfernte Verwandtschaft. Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal 1933–1939, München 2005; Philipp Gassert, Amerika im Dritten Reich: Ideologie, Propaganda und Volksmeinung 1933–1945, Stuttgart 1997.
 
 
Titel
Deutschland 1945
Dozierende
Thomas Zimmer
Uhrzeit
Montag,16-19 Uhr c.t.
Raum
R 04 006, Erbprinzenstraße 12
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151645
Kommentar
Das Ende des Zweiten Weltkriegs stellte einen in der deutschen Geschichte der Neuzeit beispiellosen Einschnitt dar, für den die Zeitgenossen schon früh den Begriff der „Stunde Null“ gebrauchten. Das Seminar nimmt diesen Moment zum Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Jahr 1945. Zunächst geht es darum, einen Überblick über die komplexen und vielschichtigen Entwicklungen zu erarbeiten, die sich innerhalb so kurzer Zeit vollzogen. In den ersten Monaten des Jahres tobte der von den Deutschen entfachte Totale Krieg auf deutschem Boden, während der NS-Terror und die Massenverbrechen bis zuletzt weitergingen. Nach der Kapitulation stellte sich für die Alliierten die dringende Frage, wie die Zukunft Deutschlands aussehen würde. Hier wird es uns vor allem um die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weichenstellungen für die Nachkriegszeit gehen. Im Zentrum wird dabei zum einen die Frage stehen, welche Bedeutung dem Jahr 1945 genau zukommt, in welchen Bereichen es eine Zäsur darstellte und wo aber auch Kontinuitäten zu verzeichnen waren. Zum anderen werden wir untersuchen, wie die Zeitgenossen die Wucht der Ereignisse und Veränderungen wahrnahmen und verarbeiteten, wie sie ihre eigenen Biographien vor diesem Hintergrund deuteten und welche Ziele und Zukunftsvorstellungen sie formulierten.
Literatur
Ulrich Herbert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, München 2014, S. 511-589
 
 
Titel
Krisen und Entspannung zwischen den Supermächten des Kalten Krieges, 1945-1962
Dozierende
Arvid Schors
Uhrzeit
HS 1140
Raum
Dienstag, 13-16 Uhr c.t.
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151643
Kommentar
Der Kalte Krieg definierte ein Zeitalter und dominierte beinahe für ein halbes Jahrhundert die Weltpolitik. Doch zugleich war die Beziehung zwischen den beiden Führungsmächten der sich herausbildenden Blöcke niemals so statisch, wie es die epochemachende Begrifflichkeit des Kalten Krieges nahelegt. Vielmehr war das Verhältnis zwischen der Sowjetunion und den USA seit 1945 von einem Wechselspiel geprägt, das zwischen Krisen und Entspannung changierte. Vor diesem Hintergrund nimmt das Proseminar die lange Konstituierungsphase des Kalten Krieges in den Blick, die erst mit dem Einschnitt der Kuba-Krise 1962 endete. Diese Phase war einerseits von einem Reigen an Konfrontationen zwischen den Supermächten geprägt: von den Konflikten um die Neuordnung Europas und Asiens nach dem Zweiten Weltkrieg, die insbesondere in den Krisen um Berlin und im Korea-Krieg ihre Zuspitzung erfuhren, bis hin zur Verschärfung des atomaren Rüstungswettlaufs. Andererseits jedoch kam es frühzeitig zu Versuchen der Verständigung zwischen den beiden Seiten: Sie umfassten beispielsweise die Neujustierung der sowjetischen Außenpolitik nach dem Tod Stalins 1953, die Genfer Gipfelkonferenz von 1955, welche zeitgenössisch mit dem „spirit of Geneva“ als Zeichen der Entspannung gedeutet worden ist, oder die fast zweiwöchige USA-Reise von Stalins Nachfolger Chruschtschow 1959. Gerade diese Reisemacht wiederum deutlich, wie flüchtig jene Veränderungen waren. Denn schon wenige Monate später wurden mit der U-2-Krise um amerikanische Überwachungsflüge über sowjetischem Territorium die Annäherungsschritte wieder von Konfrontation abgelöst. Das Proseminar wird der Frage nachgehen, inwiefern und warum die Verständigung zwischen den Supermächten in dieser Phase letztlich scheiterte. Insgesamt soll schließlich die Bedeutung von Krisen für die Geschichte des Kalten Krieges genauer bestimmt werden, die als Verdichtungspunkte von Entwicklungen, die eine bisherige Ordnung in Frage stellen, eng mit seinem Verlauf verknüpft sind.
Literatur
Melvyn P. Leffler: For the Soul of Mankind. The United States, the Soviet Union, and the Cold War, New York 2007.
Melvyn P. Leffler: The Emergence of an American Grand Strategy, 1945-1952, in: Melvyn P. Leffler/Odd Arne Westad (Hg.): The Cambridge History of the Cold War. Volume I. Origins, Cambridge u.a.O. 2010, S. 67-89.
Vladimir O. Pechatnov: The Soviet Union and the World, 1944-1953, in: Melvyn P. Leffler/Odd Arne Westad (Hg.): The Cambridge History of the Cold War. Volume I. Origins, Cambridge u.a.O. 2010, S. 90-111.
Vladislav M. Zubok: A Failed Empire. The Soviet Union in the Cold War from Stalin to Gorbachev, Chapel Hill 2007.
 
 
Titel
Dekolonisierung
Dozierende
Thomas Zimmer
Uhrzeit
Dienstag, 16-19 Uhr c.t.
Raum
R 101, Breisacher Tor .
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151646
Kommentar
Die Auflösung der europäischen Kolonialreiche ist eine der wichtigsten und folgenreichsten Entwicklungen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. In den ersten Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlangten große Teile Asiens und Afrikas die Unabhängigkeit. Dadurch veränderten sich die Lebensbedingungen von Hunderten Millionen Menschen ebenso wie die zahlreichen neuen Nationalstaaten die internationalen Beziehungen nachhaltig prägten. Im Zentrum des Seminars wird die Frage stehen, wie sich dieser Prozess erklären lässt und welche Auswirkungen er hatte. Dabei werden etwa die Motive Großbritanniens, Frankreichs und anderer Mächte, ihre Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen beziehungsweise möglichst lange an der Herrschaft über diese Gebiete festzuhalten, in den Blick geraten –  aber auch die Strategien und Ziele der kolonialen Befreiungsbewegungen beispielsweise in Indien, Indochina oder Algerien. Zudem werden wir die Folgen der Dekolonisierung für die internationale Ordnung analysieren, indem wir untersuchen, in welchem Verhältnis sie zum Kalten Krieg stand, welche Rolle die Bewegung der Bündnisfreien spielte oder in welchen Bereichen der neue Nord-Süd-Konflikt ausgetragen wurde.
Literatur
Jan C. Jansen/Jürgen Osterhammel: Dekolonisation. Das Ende der Imperien, München 2013
 
 
Titel
Russland und die Ukraine im 20. Jahrhundert  entfällt
Dozierende
Dr. Julia Herzberg
Uhrzeit
Montag, 10-12 Uhr c.t.
Montag, 12-14 Uhr c.t. (Tutorat)
Raum
HS 1034
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151620
Kommentar
Der „Euromaidan“, die Annexion der Krim und der Krieg in der Ostukraine haben die russisch-ukrainischen Beziehungen in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Der ukrainische Staat befindet sich durch diese Ereignisse in der schwierigsten Situation seit Erlangung seiner Unabhängigkeit im Jahr 1991. Das Proseminar stellt mit den russisch-ukrainischen Beziehungen im 20. Jahrhundert die Vorgeschichte dieser Geschehnisse in den Mittelpunkt. Wir fragen, welche Ereignisse die Ukraine als Staat hervorgebracht haben, trotz fehlender staatlicher Kontinuität und einer kaum vorhandenen gemeinsamen Erinnerungskultur. Zweitens gibt das Seminar einen Überblick über die wichtigsten historischen Zäsuren, die die Geschichte der ukrainischen Länder mit der des Zarenreichs und der Sowjetunion verbinden: Neben der zweifach versuchten Nationalstaatsgründung um 1918 werden die Hungersnot von 1932/33 (der sogenannte „Holodomor“) sowie der Zerfall der Sowjetunion eine wichtige Rolle spielen. Drittens bietet das Seminar eine Einführung in das Konzept der Verflechtungsgeschichte, die gegenseitige Einflussnahmen, Wechselwirkungen und Überschneidungen zwischen Staaten, Nationen und Regionen untersucht.
 
Für B.A.-Studierende des Slavischen Seminars:
Diese Lehrveranstaltung gilt als "Themenspezifische Lehrveranstaltung" im Modul "Landeskunde Russlands" bzw. im Modul "Interdisziplinäre und interkulturelle Kompetenzen" (HF Russlandstudien, PO 2005 bzw. PO 2011).
Für die Anmeldung ist eine Teilnahme am Anmeldeverfahren des Historischen Seminars auch für Studierende des Slavischen Seminars erforderlich. Informationen zum Anmeldeverfahren für Seminare und Proseminare finden Sie auf der Homepage des Historischen Seminars. Zu Erbringende Studienleistungen sind regelmäßige Teilnahme, Textlektüre und ein Referat, 2 ECTS.
 
Literatur
Kerstin S. Jobst, Geschichte der Ukraine (= Reclams Universal-Bibliothek), Stuttgart 20152; Andreas Kappeler, Kleine Geschichte der Ukraine (= C.H. Beck Paperback, Bd. 1059), München 20144.
 
 
Titel
Red Power, Black Power Feminism - Civil Rights in the United States, 1950s-1970s
Dozierende
Dr. Simone Müller
Uhrzeit
Mittwoch, 14-16 Uhr c.t.
Raum
HS 1142
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151642
Kommentar
The 1960s were marked by the reinvention of civil rights in the United States through public protest, marches, sit-ins, or occupations of prominent public spaces, such as Alcatraz Island. African Americans, Women, Chicano’s, Gays and Lesbians, Native Americans and other (formally) discriminated groups were out on the streets or engaged in other forms of ‘civil unrest’ to (peacefully) protest for full civil rights and equality under the law to all Americans. Most prominently, protesters pushed for the end of discrimination against African Americans and to end legal segregation especially in the U.S. South. But beyond ethnic equity, the civil rights movement also pushed for gender equity and gay liberation. In the end, the civil rights movement of the 1960s has had a lasting impact on United States society, in its tactics, the increased social and legal acceptance of civil rights, and in its exposure of the prevalence and cost of racism.
The American Civil Rights movement has been made up of many movements. The term usually refers to the political struggles and reform movements between 1945 and 1970 to end discrimination against African Americans and other disadvantaged groups and to end legal racial segregation, especially in the U.S. South.
This seminar wants to look at the civil rights movement in the United States from an intersectional perspective allowing cross-references and intersection within and between the various movements for more civil rights.
The class will be held in English. It is worth 10 ECTS credit points.
Literatur
 
 
 
Titel
Geist und Macht - Henry Kissinger und die Geschichte des 20. Jahrhunderts
Dozierende
Arvid Schors
Uhrzeit
Mittwoch, 13-16 Uhr c.t.
Raum
HS 1023
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151644
Kommentar
Bei Henry Kissinger handelt es sich um eine der bekanntesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Die Beurteilung seiner Person bewegt sich allerdings zwischen Extremen: Von den einen wird er als „the 20th century’s greatest 19th century statesman“ (Robert Kaplan) verehrt. Andere hingegen brandmarken ihn als selbstverliebten Opportunisten oder gar als Kriegsverbrecher. Einigkeit herrscht allein darin, dass seinem intellektuellen wie politischem Wirken hohe Bedeutung zukommt. Und tatsächlich ist seine Biographie in einzigartiger Weise mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts verflochten: Als deutscher Jude 1923 in Fürth geboren, floh er 1938 vor der nationalsozialistischen Verfolgung in die USA. Als Soldat nahm Kissinger – mittlerweile amerikanischer Staatsbürger – am Zweiten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg reüssierte er als Geschichts- und Politik-Professor an der Harvard University. Unter den amerikanischen Präsidenten Nixon und Ford diente Kissinger schließlich von 1969 bis 1977 als Nationaler Sicherheitsberater und Außenminister. In diesen Jahren avancierte er zu einer prägenden Figur der Weltpolitik. Das Seminar möchte nicht nur die kontroverse Beurteilung Kissingers genauer ergründen, sondern auch seinen Lebensweg als Sonde nutzen, um die Geschichte des 20. Jahrhunderts aufzuschlüsseln. Dabei soll es anhand seiner Lebensstationen um amerikanische Außenpolitik, aber auch um die Prägekraft von Gewalterfahrungen, um jüdische Identität(en), um die amerikanische Einwanderungsgeschichte sowie um das Verhältnis von Wissenschaft und Politik während des Kalten Krieges gehen. Und nicht zuletzt wird sich das Seminar methodisch mit den Chancen und Risiken von biographischen Ansätzen für die Geschichtswissenschaft auseinandersetzen. Dazu gehört schließlich auch das historiographische Problem, wie ein historischer Akteur eingeordnet werden kann, der das Handwerk historischer Deutung selbst virtuos beherrscht – und bereits ab 1979 seine monumentalen Memoiren vorgelegt hat,„shrewdly written as a pre-emptive strike on the verdict of history“ (David Reynolds).
Literatur
Jussi M. Hanhimäki: “Dr. Kissinger” or “Mr. Henry”? Kissingerology, Thirty Years and Counting, in: Diplomatic History 27 (2003) 5, S. 637-676.
Walter Isaacson: Kissinger. A Biography, New York u.a.O. 2005.
Simone Lässig: Die historischeBiographie auf neuenWegen?, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 60 (2009), S. 540-553.
Wolfram Pyta: Geschichtswissenschaft, in: Christian Klein (Hg.): HandbuchBiographie. Methoden, Traditionen, Theorien, Stuttgart/Weimar 2009, S. 331-338.
JeremiSuri: Henry Kissinger, the American Dream, and the Jewish Immigrant Experience in the Cold War, in: Diplomatic History 32 (2008) 5, S. 719-747.
 
 
Titel
Von der Perestroika zu Putin: Russlands wilde Neunziger?
Dozierende
Michael Abeßer
Uhrzeit
R 201, Breisacher Tor
Raum
Dienstag, 10-12 Uhr c.t.
Typ
Proseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151621
Kommentar
Die 1990er Jahre waren in der gerade untergegangenen Sowjetunion eine Zeit der Widersprüche: Für einen Großteil der Sowjetbürger stehen sie für den unvorstellbaren Zerfall des sowjetischen Imperiums, politisches Chaos und wirtschaftlichen Verfall. Einigen wenigen Akteuren aber boten sie auch Möglichkeiten zur Anhäufung enormer wirtschaftlicher und politischer Macht. Pressefreiheit, kulturelle Vielfalt, Marktwirtschaft und Reisefreiheit prägen die Epoche genauso wie Wirtschaftskrisen, Massenarmut, die russische Mafia und zwei Kriege in Tschetschenien. Im Seminar werden zunächst relevante politische Weichenstellungen der Amtszeit Michail Gorbatschows und des ersten Präsidenten der Russischen Föderation Boris Jelzin besprochen. Im Zentrum stehen der Prozess der wirtschaftlichen Transformation von der Plan- zur freien Marktwirtschaft, die soziale Transformation des Landes und die Neubestimmung des Verhältnisses zum Westen. Erst die Perspektive der Gesellschafts- und Alltagsgeschichte erlaubt jedoch eine genaue Diagnose der Epoche. Am Beispiel verschiedener Massenmedien, Augenzeugenberichten und Selbstzeugnissen werden wir untersuchen, welche Faktoren dazu beitrugen, dass die anfängliche Euphorie über das Ende der kommunistischen Herrschaft in wenigen Jahren breiter Ernüchterung wich. Abschließend wird die Frage diskutiert, inwieweit die 1990er als distinkte Epoche der russischen Geschichte verstanden werden können, in der zwar viele Elemente aus der Sowjetunion weiterlebten, aber auch gleichzeitig die Wurzeln der Ära Putin liegen.
 
Russischkenntnisse sind erwünscht, aber keine Teilnahmebedingung. Englischkenntnisse zur Lektüre der Seminartexte werden jedoch vorausgesetzt.
 
Für B.A.-Studierenden des Slavischen Seminars:
Diese Lehrveranstaltung gilt als "Themenspezifische Lehrveranstaltung" im Modul "Landeskunde Russlands" bzw. im Modul "Interdisziplinäre und interkulturelle Kompetenzen" (HF Russlandstudien, PO 2005 bzw. PO 2011).
Für die Anmeldung ist eine Teilnahme am Anmeldeverfahren des Historischen Seminars auch für Studierende des Slavischen Seminars erforderlich. Informationen zum Anmeldeverfahren für Seminare und Proseminare finden Sie auf der Homepage des Historischen Seminars. Zu Erbringende Studienleistungen sind regelmäßige Teilnahme, Textlektüre und ein Referat, 2 ECTS.
Literatur
Alekseivič, Svetlana: Secondhand Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus, München 2013.; Höhmann, Hans-Hermann; Schröder, Hans-Henning (Hgg.): Rußland unter neuer Führung. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts, Münster 2001.;Kotkin, Stephen: Armageddon averted. The Soviet Collapse 1970-2000, New York 2008. Neutatz, Dietmar: Träume und Albträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013. Volkov, Vadim: Violent Entrepreneurs. The Use of Force in the Making of Russian Capitalism, Ithaca 2002.

 

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