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Hauptseminare

Hauptseminare in Alter Geschichte

 
Titel
Geld und Kredit in der griechisch-römischen Antike
Dozierende
Prof. Dr. Sitta von Reden
Uhrzeit
Do., 16-19 Uhr
Raum
HS 1021
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-S1512
Kommentar
Seit Jahrhunderten wird über das Verhältnis von Ökonomie und Moral nachgedacht. Dabei gilt die Volkswirtschaftliche Theorie Adam Smiths als Wendepunkt in einer Geschichte, in der wirtschaftlicher Tausch als Teil von Gerechtigkeitstheorien und der Markt als gesellschaftsfeindlich thematisiert wurde. Kredit, also Vorleistung, und Geld als ausgleichendes Zahlungsmittel spielten in diesen Diskussionen seit der Antike eine zentrale Rolle. In diesem Hauptseminar, das auch als Masterseminar im Studiengang Interdisziplinäre Anthropologie zu belegen ist, sollen Kredit, Geld und Tauschtheorien von Hesiod bis Seneca untersucht sowie antike Beispiele von staatlichem Schuldenerlass in ihren Voraussetzungen und Konsequenzen in den Blick genommen werden. Ziel des Seminars ist es nicht nur, das antike Verständnis des Zusammenhangs von Wirtschaft und Gerechtigkeit genauer zu erfassen, sondern auch zu fragen, in welcher Weise antike Vorstellungen einen Beitrag zur aktuellen wirtschaftsethischen Diskussion, die auch Fragen der globalen Umverteilung betrifft, leisten und leisten können.
Literaturhinweise
Spahn, P., Oexle, O. G., Burkhardt, J., ‘Wirtschaft’ in: Brunner, O., Conze, W. und Koselleck, R. (Hrsg.), Geschichtliche Grundbegriffe. Stuttgart 1978, 511-59; Herold, N., Einführung in die Wirtschaftsethik. Darmstadt 2012, 122-137; van Wees, H., ‚Reciprocity in Anthropological Theory‘ in: Gill, C. u.a. (Hrsg.) Reciprocity in Ancient Greece. Oxford 1998, 13-49.
 
 
Titel
Auswirkungen der römischen Expansion
Dozierende
Prof. Dr. Astrid Möller
Uhrzeit
Mi., 8-11 Uhr
Raum
HS 1019
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-S1511
Kommentar
Roms Expansion im Mittelmeergebiet hatte enorme Rückwirkungen auf Italien und Rom: Die Veränderungen in der Agrarstruktur und der Arbeitskräfte, die Verarmung der Kleinbauern, Probleme bei der Rekrutierung der Soldaten, der erhöhte Luxuskonsum der reichen Oberschicht, der Zerfall des Konsens innerhalb der Elite. All das hatte eine langsame Transformation der Republik zum Prinzipat zur Folge.
Literaturhinweise
Gabba, E.: Rome and Italy in the second century B.C., CAH2 VIII (1989) 197–243; Champion, C.B. (Hg.): Roman Imperialism. Readings and Sources. Interpreting Ancient History, Oxford 2004.
 
 
Titel
Tacitus und der Principat
Dozierende
Dr. Felix Maier
Uhrzeit
Mo., 10-12 Uhr
Raum
Wilhelmstraße 26 - R 00 006
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-S1509
Kommentar
Eine der Hauptquellen für die frühe Kaiserzeit in Rom ist das Geschichtswerk des römischen Historikers Tacitus, der in seiner Darstellung die Entwicklung der neuen Regierungsform meisterlich skizziert, kommentiert und kritisiert. Anhand dieser Quelle sollen wichtige Ereignisse im 1. Jh. n. Chr. nachvollzogen, aber auch über die Darstellung von Ereignissen in historiographischen Werken generell diskutiert werden.
 
Zu erbringende Studienleistung: Als verpflichtende Studienleistung wird in der zweiten Seminarsitzung eine kurze Wissensklausur über die ereignisgeschichtliche Thematik der Zeit von Augustus bis Domitian (45min) geschrieben. Das Bestehen dieser Klausur ist Voraussetzung für den Scheinerwerb. Eine Kopiervorlage mit empfehlenswerten Darstellungen liegt ca. 1 Woche vor Semesterbeginn im Separatum der Alten Geschichte (R. 1294) aus, ansonsten eignen sich die unter Literatur aufgeführten Publikationen zur Vorbereitung.
Literaturhinweise
Christ, K.: Geschichte der römischen Kaiserzeit, München 1992.
Bellen, H.: Grundzüge der römischen Geschichte, Bd. 1 und 2, Darmstadt 2010.
 
 
Titel
Theoderich der Große
Dozierende
Prof. Dr. Peter Eich
Uhrzeit
Di., 10-13 Uhr
Raum
HS 1236
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-S1510
Kommentar
Die Regierungszeit Theoderichs des Großen bringt für Italien eine kulturelle und sicherheitspolitische Spätblüte in der letzten Phase der antiken Mittelmeerwelt. Die Quellenlage für diese Zeit ist außergewöhnlich gut. Sie erlaubt den Einblick in eine Reihe von Entwicklungen und Phänomenen, die aktuell intensiv diskutiert werden: Gab es eigentlich eine geschlossene Gruppe von "Goten" (oder nur lose Kriegerverbände)? Wie wichtig waren religiöse Spannungen für die Ausbildung von Identitäten in der Mittelmeerwelt? Welchen Charakter hatten die Königreiche, die nach dem Zusammenbruch der westlichen Kaisergewalt auf dem Territorium des Römischen Reichs entstanden? War dieser Zusammenbruch eine kulturelle Wegscheide oder nur eine Etappe in einem langen Wandlungsprozess, der mindestens ebenso von Kontinuität wie von Transformation bestimmt war? Diese Fragen sollen exemplarisch im Seminar diskutiert werden.
Literaturhinweise
J. Moorhead, Theoderic in Italy, Oxford 1992
I. König, Aus der Zeit Theoderichs des Großen. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar einer antiken Quelle, Darmstadt 1997
J. J. Arnold, Theoderic and the Roman Imperial Restoration, Cambridge 2014
 

Hauptseminare in Mittelalterlicher Geschichte

 
Titel
Urkunden - Studien an Originalen des Mittelalters aus oberrheinischen Archiven (mit Besuch in Archiven)
Dozierende
Prof. Dr. Jürgen Dendorfer
Uhrzeit
Di., 10-12 Uhr
Raum
Peterhof – Raum 3
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20159
Kommentar
Das Seminar will in die wissenschaftliche Beschäftigung mit einer der wesentlichen Quellen für zahlreiche Themen der mittelalterlichen Geschichte einführen: die Urkunden. Nacheiner Auffrischung bzw. wenn nötig Vermittlung diplomatischen Grundwissens, werden aktuelle Ansätze der Forschung gesichtet, die Königs-, Papst- und Privaturkunden über herkömmliche Zugriffe hinaus zum Sprechen bringen, etwa wenn sie den Stellenwert des Urkundenaktes im Rahmen vieldeutiger Symbolhandlungen, zwischen Pragmatik und Performanz zu bestimmen suchen.
Von Anfang an sollneben dieser Vermittlung von Basiswissen und dem Versuch der Adaption gegenwärtiger diplomatischer Zugriffe die dadurch befruchtete Auseinandersetzung mit bisher noch nicht edierten Originalurkunden aus Klöstern in und um Freiburg stehen. Dabei werden vier Provenienzbestände im 13. Jahrhundert gegründeter Klöster herangezogen: die Urkunden der Dominikaner und der Dominikanerinnen (von Adelhausen) in Freiburg, sowie der Zisterzienserinnen von Günterstal und Wonnental. Diese Bestände liegen heute in Freiburg im Universitäts- und im Stadtarchiv, sowie im Generallandesarchiv Karlsruhe (Der Besuch dieser Archive ist vorgesehen). Der Umgang mit den Originalen wird an Digitalisaten und Kopien eingeübt. Paläographisches und diplomatisches Grundwissen ist dafür sinnvoll, aber nicht unabdingbare Voraussetzung. Die Bereitschaft zur Aktualisierung vorhandener Lateinkenntnisse unter Anleitung des Seminarleiters wird vorausgesetzt.
 
Bitte melden Sie sich per Email bis zum 10.04.2015 mit Angabe des Semesters, der Fächerverbindung sowie der Immatrikulationsnummer bei Isolde Schillinger an: isolde.schillinger@geschichte.uni-freiburg.de. Melden Sie sich zusätzlich bitte in einer der Feriensprechstunden vor dem Sommersemester zum Vorgespräch an.
Literaturhinweise
Freiburger Urkundenbuch, bearb. v. Friedrich Hefele, Bd. 1-2, 1940-1952; Thomas Vogtherr, Urkundenlehre: Basiswissen, Hannover 2008; Christoph Dartmann/Thomas Scharff/Christoph Weber, Zwischen Pragmatik und Performanz. Dimensionen mittelalterlicher Schriftkultur, Turnhout 2011.
 
 
Titel
Königinnen, Heilige, Bäuerinnen: Frauen in der Merowingerzeit
Dozierende
PD Dr. Christine Kleinjung
Uhrzeit
Mi., 10-12 Uhr
Raum
HS 1036
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201514
Kommentar
Die Merowingerzeit gilt allgemein als archaische und quellenarme Zeit. Doch mit der mentalitätsgeschichtlichen Wende wurde der reiche Schatz an historischem Material aus der Zeit des Frankenreiches neu gelesen. Die Quellen, aus denen wir Kenntnisse über Frauenleben im Frankenreich gewinnen können, bieten uns überraschende und differenzierende Einblicke in vielfältige Arten der weiblichen Lebensgestaltung. Bei der Untersuchung dieser Lebensformen muss sorgfältig abgewogen werden: 1. welche Bedeutung dem sozialen Status, dem rechtlichen Status und dem biologischen Geschlecht bei der Ausgestaltung der Handlungsspielräume zukam und 2. Aus welchen Quellen (schriftlich, archäologisch) wir unsere Erkenntnisse gewinnen und welche Interpretationsmöglichkeiten sie zulassen. An Beispielen aus dem Bereich Hof, Kloster und ländlicher Gesellschaft werden wir uns in dem Seminar in interdisziplinärem Ansatz mit diesen Fragen befassen. Solide Latein- und Französischkenntnisse sind für die Teilnahme von Vorteil.
Literaturhinweise
Zur Einführung in die Thematik: Sebastian Scholz, Die Merowinger, Stuttgart 2014;Suzanne FonayWemple, Women in Frankishsociety. Marriage and the cloister, 500 to 900, Philadelphia1981; Königin, Klosterfrau, Bäuerin. Frauen im Frühmittelalter, hg. v. Helga Brandt/Julia K. Koch, Münster 1996; Hans-Werner Goetz, Frauen im frühen Mittelalter. Frauenbild und Frauenleben im Frankenreich, Köln u.a. 1995.
 
 
Titel
Normannische Herrschaftsbildungen im Mittelmeerraum
Dozierende
Prof. Dr. Birgit Studt
Uhrzeit
Di., 10-13 Uhr
Raum
HS 4429
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201524
Kommentar
Von skandinavischen Seefahrern und Piraten, die seit dem 9. Jahrhundert die Küsten- und Flußregionen des Westfrankenreichs unsicher machten, über adlige Migranten, Siedler und Söldner aus der Normandie, die im Verlauf des 11. Jahrhunderts sowie in England als auch im Mittelmeerraum immer größere Gebiete eroberten, besiedelten und eigene Herrschaften gründeten, alle diese Akteure werden in der Forschung als Normannen bezeichnet. Aber erst mit ihrer Herrschaftsgründung in der Normandie verfügten die Normannen über eine erkennbare Identität, in der die skandinavische Herkunft für die Selbstzuschreibung als besonders kampfbereite, tapfere, listige und ehrgeizige Krieger eine zentrale Rolle spielte. Diese Normannitas spielte auch noch bei den Eroberungen und Herrschaftsgründungen im mediterranen Raum eine Rolle, wobei sich hier aber hybride Gesellschaften bildeten, die in spezifischer Weise die vorgefundenen heterogenen kulturellen Traditionen integrierten. Die große Anpassungsfähigkeit der normannischen Eliten gegenüber den vorgefundenen sprachlichen, kulturellen und rechtlichen Traditionen machte die besondere Qualität ihrer Herrschaft aus, und dies erklärt sicherlich auch ihren Erfolg.
 
Das Seminar wird in erster Linie am Beispiel Siziliens, das vor der Ankunft der Normannen unter byzantinischer Herrschaft stand, aber vom Süden und Westen von den Arabern erobert worden war, als Paradigma für die Interkulturalität normannischer Herrschaftsbildung untersuchen.
 
Literaturhinweise
Herbert Houben, Die Normannen, München 2012
 
 
Titel
Um 1200 - Das staufische Reich im Umbruch (1180-1220)
Dozierende
Prof. Dr. Jürgen Dendorfer
Uhrzeit
Mi., 9-12 Uhr
Raum
HS 1231
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20158
Kommentar
Um 1200 veränderten sich die Rahmenbedingungen für die Herrschaftsausübung der Könige und Fürsten im Reich der Staufer tiefgreifend. In der Historiographie trat diese Zwischenzeit hinter der Beschäftigung mit den Glanz­gestalten eines Friedrich Barbarossas (1152-1190) und seines Enkels Friedrichs II. (+ 1250) lange zurück. Auf vielen Feldern lässt sich jedoch beobachten, dass sich gerade in dieser Zeit, geprägt durch den Thronstreit und die Regierung als eher durchsetzungsschwach bewerteter Könige, neue Formen des Mit- aber auch Gegeneinanders von König und Fürsten einzuspielen beginnen. So kommen etwa neue Vorstellungen über die Königswahl auf und Gewalt in Konflikten scheint salonfähig zu werden; soziale Bindungen werden nun häufiger als zuvor in den Kategorien einer in dieser Zeit entstehenden Rechtswissenschaft gedeutet. Nicht zuletzt entstanden aus verschiedenen, von Fürsten und Königen gesammelten Herrschaftsrechten offenbar flächiger wahrgenommene „Territorien“, die unter dem Einsatz neuer, bislang ungekannter rationaler Techniken verwaltet wurden.
Das Seminar will nach einführenden Sitzungen zur den wichtigsten Ereignissen und Entwicklungen im Zeitraum von etwa 1180 bis 1220 an Fallstudien dem Wandel auf den skizzierten Feldern nachgehen.
 
Bitte melden Sie sich per Email bis zum 10.04.2015 mit Angabe des Semesters, der Fächerverbindung sowie der Immatrikulationsnummer bei Isolde Schillinger an: isolde.schillinger@geschichte.uni-freiburg.de.
Literaturhinweise
Einführend: Knut Görich, Die Staufer. Herrscher und Reich. 3. Auflage, 2011; spezieller zum Zeitabschnitt: Wolfgang Stürner, Das 13. Jahrhundert (1198-1273) (Handbuch der deutschen Geschichte 6), 2007; Andrea Rihazek, Philipp von Schwaben. Beiträge der internationalen Tagung anlässlich seines 800. Todestages, Wien 29. bis 30. Mai 2008 (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 19), Wien 2010; Steffen Krieb, Vermitteln und Versöhnen: Konfliktregelung im deutschen Thronstreit 1198-1208 (Norm und Struktur 13), Köln 2000.
 
 
Titel
Zwischen Fürstendienst und Eigenherrschaft. Wege der Selbstbehauptung des Niederadels im Spätmittelalter
Dozierende
Dr. Steffen Krieb
Uhrzeit
Mi., 14-16 Uhr
Raum
HS 1036
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201515
Kommentar
Der Niederadel galt in der Geschichtsschreibung lange als der Hauptverlierer einer Krise des Spätmittelalters, in der diese soziale Gruppe durch sinkende Einnahmen aus der Grundherrschaft, den Aufstieg des städtischen Bürgertums und den Territorialisierungprozess fürstlicher Herrschaft wirtschaftlich, sozial und politisch massiv an Bedeutung verlor. Im Zuge einer wachsenden Skepsis gegenüber dem Verfalls- und Krisenmodell des späten Mittelalters sind in der Forschung die Strategien der Selbstbehauptung stärker in den Blick gerückt, mit deren Hilfe es einem Großteil des Niederadels gelang, seine Position zu behaupten. Zu den in diesem Kontext diskutierten Strategien des „Obenbleibens“ gehörten so unterschiedliche Optionen wie das Engagement im Dienst von Fürsten und Königen, der regionale, genossenschaftliche Zusammenschluss in Gesellschaften, Verfahren der kulturellen und sozialen Distinktion durch eine Wiederbelebung der Turnierpraxis, die Konstruktion statusbegründender Vergangenheitsbilder oder das Beharren auf dem Fehderecht. Der Prozess der Selbstbehauptung soll sowohl an individuellen und regionalen Fallbeispielen als auch im landschaftlichen Vergleich analysiert werden.
Literaturhinweise
Hechberger, Werner: Adel im fränkisch-deutschen Mittelalter. Zur Anatomie eines Forschungsproblems, Ostfildern 2005 (Mittelalter-Forschungen, 17);Morsel, Joseph: L'aristocratie médiévale. La domination socialeen Occident (Ve - XVe siècle), Paris 2004 (Collection U, Histoire).
Schneider, Joachim: Spätmittelalterlicher deutscher Niederadel. Ein landschaftlicher Vergleich, Stuttgart 2003 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters , 52).
 
 
Titel
Dörfliches Leben im Spätmittelalter und Frühneuzeit
Dozierende
Prof. Dr. Kurt Andermann
Uhrzeit
Di., 16-18 Uhr
Raum
HS 4450
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20151
Kommentar
In der Vormoderne lebten mehr als neunzig Prozent der Menschen „auf dem Land“ – in größeren und kleineren Dörfern. Freilich ist das dörfliche Leben nicht allein unter diesem quantitativen Aspekt von Interesse, vielmehr spiegelt sich darin die ganze Vielfalt vormoderner Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsstrukturen. Im Mittelpunkt der für das Seminar zu haltenden Referate steht jeweils obligatorisch eine Quelle, die ganz oder in Teilen zu interpretieren und in größere Kontexte einzuordnen ist. Erwartet wird von den Teilnehmer(inne)n ein überdurchschnittliches Engagement, die Bereitschaft, sich auf Literatur und Quellen einzulassen, sowie im Seminar intensiv mitzuarbeiten und mitzudiskutieren.
 
"Bitte melden Sie sich per Email bis spätestens zum 10.04.2015 mit Angabe Ihrer Semesterzahl, Ihrer Fächerverbindung sowie Ihrer Matrikelnummer an: kurt.andermann@geschichte.uni-freiburg.de.
Literaturhinweise
Karl Siegfried Bader, Studien zur Rechtsgeschichte des mittelalterlichen Dorfes, 3 Bde., Weimar, Köln und Graz 1957-1973; Ursula Huggle, Dörflicher Alltag im 16. Jahrhundert. Für unser‘ Müh‘ und Arbeit nit ein Korn. Eschbach bei Staufen unter der Herrschaft Rappoltstein (Themen der Landeskunde 7), Bühl i. B. 1996; Werner Trossbach und Clemens Zimmermann, Die Geschichte des Dorfes. Von den Anfängen im Frankenreich zur bundesdeutschen Gegenwart, Stuttgart 2006; Kurt Andermann und Oliver Auge (Hgg.), Dorf und Gemeinde. Grundstrukturen der ländlichen Gesellschaft in Spätmittelalter und Frühneuzeit (Kraichtaler Kolloquien 8), Epfendorf 2012.
 

Hauptseminare in Neuerer und Neuester Geschichte

 
Titel
Selbstzeugnisse in der Frühen Neuzeit (Masterseminar)
Dozierende
Prof. Dr. Ronald G. Asch
Uhrzeit
Di., 16-18 Uhr
Raum
HS 1021
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20152
Kommentar
Unter Selbstzeugnissen werden Tagebücher, autobiographische Schriften, aber im weiteren Sinnes des Worte auch andere Quellen wie Briefe verstanden, in denen die Autoren (Autorinnen) über ihr eigenes Leben Rechenschaft ablegen oder die auf andere Weise über Mentalität, Wertvorstellungen und die persönliche Lebenserfahrung Auskunft geben. In Tagebüchern und Autobiographien schaffen die Autoren aber auch einen Entwurf der eigenen Identität. Die Entwicklung der Selbstzeugnisse in der Frühen Neuzeit zeigt daher – so kann man es zumindest sehen – auch einen zunehmenden Individualisierungsprozess. Es gibt einzelne Aufzeichnungen, die weithin bekannt sind, wie z.B. das Tagebuch von Pepys (England nach 1660) oder die Memoiren von Saint-Simon. Für Deutschland lagen hingegen bis vor kurzem mit gewissen Ausnahmen (Epoche des 30jährigen Krieges) nur relativ wenige Dokumente dieser Art ediert vor, da die Forschung den Wert dieser Quellen erst im Laufe der letzten 20 Jahre wirklich entdeckt und sich überdies erst jetzt durch die Möglichkeit digitaler Editionen neue Möglichkeiten der Edition ergeben haben. Ich leite zur Zeit selber eine solche digitale Edition (Christian II. von Anhalt), und das Seminar wird u.a. auch die Möglichkeiten und Probleme solcher Editionen erörtern, Es soll im Übrigen aber vor allem nach dem besonderen Wert dieser Quellen fragen, sowie nach dem Wandel dieser Gattung von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis zur Aufklärung (auch die Confessions von Rousseau gehören ja zu den Selbstzeugnissen).
 
Das MA-Seminar richtet sich an Studierende der Master-Studiengänge und fortgeschrittene Studierende des Staatsexamensstudienganges Geschichte.
 
 
Literaturhinweise
Selbstzeugnis und Person: Transkulturelle Perspektiven, hg. von Claudia Ulbrich; Köln (2012); Jean-Pierre Bardet, Elisabeth Arnoul & François-Joseph Ruggiu (Hg.), Les écrits du forprivé en Europe du MoyenÂge à l’époque contemporaine. Enquêtes, analyses, publications; Bordeaux, (coll. Histoire « Mémoires vives »), 2010: Selbstzeugnisse in der Frühen Neuzeit : Individualisierungsweisen in interdisziplinärer Perspektive, hg. von Kaspar von Greyerz, München (2007); Vom Individuum zur Person : neue Konzepte im Spannungsfeld von Autobiographietheorie und Selbstzeugnisforschung, hg. Von Gabriele Jancke, Göttingen (2005).
 
 
Titel
Amir Timur und die Timuriden: Rezeption einer mittelasiatischen Herrschaft in Neuzeit und Moderne
Dozierende
Prof. Dr. Tim Epkenhans
Uhrzeit
Di., 10-13 Uhr
Raum
KG IV: ÜR 2
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201511
Kommentar
Das Hauptseminar beschäftigt sich mit der ambivalenten historischen Rezeption der Herrschaft von Amir Timur (Tamarlan/ TemüribnTaraghaiBarlas, 1336-1405) und der nach ihm benannten Dynastie der Timuriden in Mittel- und Südasien. Die Lehrveranstaltung gliedert sich in drei thematische Teile: Während im ersten Teil die Grundzüge der timuridischen Herrschaft erarbeitet werden (Verwaltung, Legitimation, Religion und Kultur), behandelt der zweite Teil die Darstellung der Timuriden in den einschlägigen Quellen  der frühen Neuzeit. Der dritte Teil des Seminars beschäftigt sich mit der Rezeption Amir Timurs in den modernen Nationalgeschichte(n) Mittelasiens sowie in der Populärkultur. Ein detailliertes Semesterprogramm steht zu Beginn des Semesters über die Lehr-Lernplattform Ilias zur Verfügung.
 
 
Literaturhinweise
Manz, Beatrice Forbes (1989).The rise and rule of Tamerlane.Cambridge, New York: Cambridge University Press (Cambridge studies in Islamic civilization).Paul, Jürgen (2012). Zentralasien. Frankfurt/M.: S. Fischer (Neue Fischer Weltgeschichte, Bd. 10).
 
 
Titel
Frankreich im Zeitalter Ludwigs XIV.
Dozierende
Prof. Dr. Ronald G. Asch
Uhrzeit
Mi., 14-16 Uhr
Raum
HS 1034
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20153
Kommentar
2015 begehen Frankreich und Europa den 300. Todestag des Sonnenkönigs. Er gilt als die klassische Verkörperung des absolutistischen Herrschers, regierte allerdings in weiten Bereichen sehr viel stärker auf traditionellere Weise – und im Bemühen sich mit den privilegierten Eliten zu arrangieren – als die ältere Forschung meinte. Er machte während seiner Lebenszeit Frankreich zur eigentlichen Hegemonialmacht in Europa – auch durch eine rücksichtslose Kriegführung – hinterließ seinem Nachfolger aber Finanzprobleme, die faktisch bis 1789 nicht mehr gelöst werden konnten. Seine Selbstdarstellung, die sich zwischen den 1650er Jahren und seinem Tod auch immer wieder wandelte, erreichte spektakuläre Dimensionen, wurde aber nicht nur von anderen Herrschern, sondern auch von manchen Untertanen im eigenen Land recht kritisch gesehen. Das Seminar will sich mit den grundsätzlichen Strukturen des AncienRégime ebenso wie mit dem Hof, Versailles und der Person des Monarchen auseinandersetzen.
 
 
Literaturhinweise
Olivier Chaline, Le règne de Louis XIV, Paris: (2005); James Collins, The state in early modern France, Cambridge ( 2009); G. Braun, Von der politischen zur kulturellen Hegemonie Frankreichs: 1648 – 1789, Darmstadt 2008.
 
 
Titel
Um die Herrschaft an der Ostsee: Der große Nordische Krieg 1700-1721
Dozierende
PD Dr. Martin Faber
Uhrzeit
Fr., 10-12 Uhr
Raum
Peterhof - Raum 4
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201512
Kommentar
Der Beginn des 18. Jahrhunderts war in Westeuropa gekennzeichnet durch den Spanischen Erbfolgekrieg, in Ost- und Nordeuropa aber durch den Großen Nordischen Krieg. Der Kampf um das "Dominium Maris Baltici", die Vorherrschaft im Ostseeraum erreichte hier seinen Höhepunkt. Als Hauptkontrahenten standen sich Schweden und Russland gegenüber, beide geführt von zwei bedeutenden Herrschergestalten: dem jungen und draufgängerischen König Karl XII., der seine Armee mit großem Einsatz selbst führte, und dem Reformzaren Peter dem Großen, der während des Krieges sein Land in einer ungeheuren Kraftanstrengung modernisierte und ihm in einem Gebiet, das er Schweden abgenommen hatte, eine neue Hauptstadt erbauen ließ: St. Petersburg. Nach anfänglichen überraschenden Erfolgen der Schweden wendete sich das Blatt 1709 in der Schlacht von Poltawa, der ersten Russlandkatastrophe der Neuzeit. Am Ende des Kriegs hatte Schweden seine Vormachtstellung in Nordeuropa verloren und Russland war zur Großmacht aufgestiegen. Doch außer den beiden Hauptkontrahenten waren in diesem Krieg auch die anderen Länder und Staaten in Nord- und Osteuropa engagiert: Dänemark- Norwegen, Sachsen, Polen-Litauen, Kurland, Livland, Estland, Finnland, das Osmanische Reich, die Kosaken der Ukraine, schließlich auch Preußen und Hannover-England. Auf all diese Länder hatte der große Krieg eine nachhaltige Wirkung, die ihre Identität und ihre Erinnerung oft für lange Zeit prägte. Die Geschichte des Kosakenhetmans Iwan Mazeppa ist in zahlreichen Kunstwerken verarbeitet worden. Das Seminar bietet also die Möglichkeit, den Krieg aus sehr unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. So lässt sich ein umfassendes Bild von der Entwicklung Europas in dieser Epoche gewinnen.
 
 
Literaturhinweise
http://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Nordischer_Krieg; Robert Frost: The Northern Wars. War, State and Society in Northeastern Europe, 1558 - 1721. Harlow u.a. 2000; Benjamin Richter: Verbrannte Erde. Peter der Große und Karl XII. Die Tragödie des ersten Russlandfeldzugs. Göttingen 2010.
 
 
Titel
Haushalt und Familie im Wandel - 18. - 20. Jahrhundert (entfällt)
Dozierende
PD Dr. Heidrun Homburg
Uhrzeit
Mo., 16-18 Uhr
Raum
FMF - HS 01 009
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201513
Kommentar
Haushalt und Familie bilden Grundeinheiten des menschlichen Wirtschaftens, Zusammenlebens und der wechselseitigen Fürsorge. Sie sind wichtige Institutionen der Produktion, Reproduktion und Vergesellschaftung, der Sozialisation von Mann und Frau, von Eltern und Kindern. Als solche stehen sie in dauerndem Austausch mit ihrer Umwelt. Sie sind zudem der Ort von Aushandlungsprozessen zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft, zwischen den Geschlechtern und zwischen den Generationen. Dabei geht es immer auch um die Bedingungen der Überlebenssicherung, die Verwendung von Ressourcen wie auch sonstige Anforderungen der Außenwelt und der Zeitumstände. In der jüngeren Sozialgeschichte wurden Haushalt und Familie seit den 1960er Jahren zu einem gewichtigen Untersuchungsgegenstand im Zusammenhang mit Fragen nach den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen sowie nach den Begleiterscheinungen des Übergangs von traditionalen, agrarisch bestimmten Gesellschaften in die moderne Marktwirtschaft und Konsumgesellschaft. Wie nahmen Haushalt und Familie an diesem Wandel teil? Welche Veränderungen durchliefen Familien wie auch das Wirtschaften der Haushalte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert? Unterscheiden sich ihre Gestalt, Formen, Funktionen im 18., 19. und im 20. Jahrhundert? Verlief der Wandel zeitgleich in Stadt und Land? Wie wurde er „gelebt“? Wurde er von „außen“ den Menschen aufgezwungen, oder wurde er von den Familien und Haushalten selbst initiiert und mitgetragen? Kam es zu Veränderungsschüben? Gab es klar markierte Zäsuren? Schließlich, welche Prozesse des Wandels von Haushalt und Familie haben die Sozialwissenschaften in jüngster Zeit konstatiert, und welche neuen Herausforderungen ergeben sich daraus für die historische Forschung? Diesen Fragen wird das Seminar in zwei Schritten nachgehen. Der erste Seminarblock dient der Einführung in das Thema mit dem Ziel, einen Überblick über die Untersuchungszeit und den Forschungsstand zu gewinnen. Der zweite Seminarblock zielt auf Vertiefung des zuvor Erarbeiteten. Untersuchungsstränge und historische Problematisierungen des Wandels von Haushalt und Familie sollen exemplarisch anhand von zeitgenössischen Primärquellen, z.B. Selbstzeugnissen, wissenschaftlichen Untersuchungen, Medienberichten in Zeitungen, Zeitschriften, Funk und Fernsehen, öffentlichen Kontroversen und politischen Debatten weiter ausgezogen und aufgearbeitet werden.
Literaturhinweise
J. Ehmer, Bevölkerungsgeschichte und historischeDemographie1800 - 2000, München 2004; A. Gestrich, Geschichte der Familie im 19. und 20. Jahrhundert, München 32012 (mit Nachtrag), T. K. Hareven, Familiengeschichte, Lebenslauf und sozialer Wandel [Aus dem Engl.], Ffm 1999; P. Laslett, Verlorene Lebenswelten: Geschichte der vorindustriellen Gesellschaft (The world we have lost, EA 1965), Wien 1988 [TB Ffm 1991]; M. Mitterauer / R. Sieder, Vom Patriarchat zur Partnerschaft: Zum Strukturwandel der Familie (EA 1977), München 21980 u.ö.; K. Lüscheru.a. (Hg.), Die "postmoderne" Familie, Konstanz 11988,21990; J. de Vries, The The Industrious Revolution: Consumer Behavior and the Household Economy, 1650 to the Present, Cambridge 2008.
 
 
Titel
Schranken der Natur. Umwelt und Gesellschaft, 1750-1914 (EPG)
Dozierende
Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Brüggemeier
Uhrzeit
Mo., 14-16 Uhr
Raum
HS 4429
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20156
Kommentar
Umwelt und Natur werden seit der Industrialisierung vor allem als Opfer menschlicher Eingriffe gesehen, da Bevölkerungswachstum, Emissionen und Ressourcenverbrauch erhebliche Probleme verursachten und noch verursachen. Doch sie sind auch Akteure, die eigenen Logiken folgen und menschliches Handeln nicht nur ermöglichen, sondern dafür auch mehr oder minder enge Schranken setzen. Das gilt vor allem für die Zeit vor der Industrialisierung, als die menschlichen Handlungsmöglichkeiten durch Wetter, Jahreszeiten und andere natürliche Faktoren oftmals eng begrenzt waren. Damit beginnt das Seminar. Hiervon ausgehend behandelt es die Bemühungen, mit diesen Schranken umzugehen, sei es durch Technik, Wissenschaft, Politik oder wirtschaftliches Wachstum. Diese Bemühungen führten zu Erfolgen wie zu Misserfolgen und hatten zudem vielfach unerwartete Nebenwirkungen.
 
Diese Seminar kann auch als EPG-Veranstaltung belegt werden.
 
Anmeldung per Email: f.j.brueggemeier@geschichte.uni-freiburg.de. (Teilnehmerzahl auf 20 begrenzt)
 
 
Literaturhinweise
Jürgen Osterhammel, Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009, Kap. V, XII-XIV; Franz-Josef Brüggemeier, Schranken der Natur. Umwelt, Gesellschaft, Experimente 1750 bis heute, Essen 2014
 
 
Titel
Homo Collector? Zu Anthropologie, Wissen(schaft)sgeschichte und Soziologie des Sammelns
Dozierende
Prof. Dr. Cornelia Brink
Uhrzeit
Mo., 16-18 Uhr
Raum
KG IV - Übungsraum 2
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20154
Kommentar
„Wenn ich für einen Menschentyp anfällig bin, dann sind es die Sammler: Leidenschaft und Rücksichtslosigkeit; Zartheit und Mordgier“ (Arno Schmidt). Sammeln ist eine spezifische – individuell und kollektiv, wissenschaftlich wie nicht-wissenschaftlich praktizierte – Weise, mit Objekten umzugehen. Gesammelte Objekte wurden (und werden) nicht einfach nur deponiert oder hinter Glas gestellt. Präpariert, klassifiziert, geordnet und ausgetauscht haben gesammelte Objekte alltägliche und gelehrte Räume gewechselt und mit dem Kontext ihre kulturellen Bedeutungen geändert. Das Hauptseminar verbindet eine Geschichte der materialen Kultur mit Fragen der neueren Kultur- und Wissenschaftsgeschichte.
 
 
Literaturhinweise
Zur Einführung empfehle ich: Anke te Heesen, E. C. Spary (Hg.), Sammeln als Wissen. Das Sammeln und seine wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung. Göttingen: Wallstein Verlag 2001.
 
  
Titel
Singapur und Hongkong: Von der Kolonialstadt zur Weltmetropole
Dozierende
Prof. Dr. Sabine Dabringhaus
Uhrzeit
Di., 8-10 Uhr´
Raum
KG IV – Übungsraum 2
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20157
Kommentar
Die moderne Geschichte von Singapur und Hongkong beginnt mit ihrer Gründung als britische Kronkolonien (1867/1863). Den Zweiten Weltkrieg erlebten beide unter japanischer Besetzung und fielen danach wieder unter britische Verwaltung. Während Singapur 1963 seine Unabhängigkeit erlangte und heute zu den wenigen Stadtstaaten gehört, blieb Hongkong noch bis 1997 in britischer Hand und wurde danach in die Volksrepublik China integriert. Hinter diesen Fakten verbergen sich interessante Diskussionsfragen für das Seminar: Wie erlebten Singapur und Hongkong den britischen Kolonialismus? Wie stark prägte er beide Gesellschaften? Wie entwickelte sich die chinesische Kultur in den verschiedenen Phasen der Fremdherrschaft? Während Singapur für eine moderne Form chinesischer autokratischer Herrschaft steht, kämpft Hongkong für seine demokratischen Strukturen im autoritären Staatssystem der Volksrepublik China. Wie lässt sich diese unterschiedliche Entwicklung erklären? Wie ist das Verhältnis beider zu Taiwan und zur weltweiten chinesischen Diaspora? Welche Rolle spielen Singapur und Hongkong in Asien und auf globaler Ebene?
 
Unsere Textlektüre besteht hauptsächlich aus englischsprachiger Literatur. Chinesisch-Kenntnisse sind willkommen, aber keine Voraussetzung. Wir werden außerdem die Gelegenheit wahrnehmen, Gastfellows am FRIAS und der BMBF-Südostasien-Forschergruppe aus Singapur und Hongkong in unser Seminar einzuladen.
 
Literaturhinweise
C. Mary Turnbull, A Modern History of Singapore, 1819-2005, Singapore 2010; John M. Caroll, A Concise History of Hong Kong, Lanham u.a. 2007.
 
 
Titel
Wilhelminismus und Region. Deutsche und südbadische Gesellschaftsgeschichte 1890-1913
Dozierende
Prof. Dr. Willi Oberkrome
Uhrzeit
Mi., 10-13 Uhr
Raum
HS 4429
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201520
Kommentar
Das Seminar zielt darauf, ein Veranstaltungsformat zu erproben, welches nicht nur abschlussnahen Studierenden die Möglichkeit eröffnet, mit lokal oder regional zugänglichen Quellen zu arbeiten bzw. den Umgang u. a. mit archivierten Quellen zu erlernen. Zunächst soll die Substanz des diffusen, wissenschaftlich extrem kontrovers beurteilten Herrschaftssystems ‚Wilhelminismus‘ ergründet werden. Anschließend wäre nach dem konkreten Niederschlag  entsprechender Bedingungs-konstellationen und Charakteristika im südbadischen Raum zu fragen. Gab es mithin in Freiburg und Umgebung Spuren des persönlichen Regiments? Wie rezipierten die unterschiedlichen sozialen Schichten Südbadens Phänomene wie die Zabern-Affäre, die Daily-Telegraph-Affäre, die Marokkokrise? Wie verlief die agrarische Transition? Wie unterschieden sich Klassenlagen, Milieustrukturen und weltbildliche Ausrichtungen? Gab es Agitationsverbände wie den Flottenverein, die Alldeutschen usw.? Natürlich sind zahlreiche weitere Themen denkbar, wichtig bleibt indessen, dass sie quellennah beantwortet werden sollen.
 
Anmeldung per E-Mail erforderlich: willi.oberkrome@geschichte.uni-freiburg.de
 
Literaturhinweise
Christopher Clark, Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers, München 2000; Margaret Lavinia Anderson, Lehrjahre der Demokratie. Wahlen und politische Kultur im Deutschen Kaiserreich, Stuttgart 2009; Frank Bösch, Öffentliche Geheimnisse. Skandale, Politik und Medien in Deutschland und Großbritannien 1880-1914, München 2009.
 
 
Titel
Das vergessene Generalgouvernement - Deutschland und Polen im Ersten Weltkrieg (mit Exkursion 13.-23.06.2015) (Masterseminar in Komparativer Geschichte)
Dozierende
Prof. Dr. Bernd Martin/Prof Dr. Dietmar Neutatz
Uhrzeit
Mo., 16-18 Uhr
Raum
HS 4429
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201517
Kommentar
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das diesjährige deutsch-polnische Gemeinschaftsseminar mit dem Instytut Historii der Universität Poznan  gilt der deutschen Besatzungspolitik  (August 1915 – November 1918) im nördlichen Teil Kongresspolens (dem russischen Teilungsgebiet) und deren Folgen für die Staatswerdung Polens nach dem deutschen Zusammenbruch. Diese auf „moralische Eroberungen“ bedachte Politik des Generalgouverneurs stand im Gegensatz zu der auch während des Krieges aufrecht erhaltenen preußischen Repressionspolitik in der Provinz Posen. Die relativ liberale deutsche Politik in Polen ist durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges überschattet worden und nahezu völlig in Vergessenheit geraten. Das Seminar ist mit einer Gemeinschaftsexkursion mit polnischen Studierenden verbunden (13. bis 23. Juni) und wird in einer deutsch-polnischen wissenschaftlichen Konferenz zum selben Thema enden, an der die Studierenden als kritisches Publikum teilnehmen sollen.
 
Persönliche Anmeldung und Übernahme eines Themas bei Herrn Martin (Raum 4420) ab sofort auch außerhalb der regulären Sprechstunden am späten Vormittag/Mittagszeit. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Das Seminar ist auch für fortgeschrittene Lehramtsstudierende der Geschichtswissenschaften geöffnet. Polnischkenntnisse sind nicht erforderlich.
 
Literaturhinweise
Werner Conze: Polnische Nation und deutsche Politik im Ersten Weltkrieg. Köln 1958. Robert Spät: Für eine gemeinsame deutsch-polnische Zukunft? Hans Hartwig Beseler als Generalgouverneur in Polen 1915-18. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 58 (2009) S.469-499. Eugeniusz Krol: Besatzungsherrschaft in Polen im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Charakteristik und Wahrnehmungen. In: Bruno Thob und Hans-Erich Volkmann (Hg.): Erster Weltkrieg – Zweiter Weltkrieg. Ein Vergleich. Paderborn 2002. S. 577-591.
 
 
Titel
Wissenschaft und Machtpolitik in den USA und Deutschland. Heilige und prekäre Allianzen, 1914 - ca. 1960
Dozierende
Dr. Helke Rausch
Uhrzeit
Mo., 16-19 Uhr
Raum
HS 4450
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201523
Kommentar
Politisch „neutrale“, politikferne Wissenschaft gibt es nicht, zu keiner Zeit, in keinem Land. Sie wäre eine unhistorische Erfindung. Einen denkbar negativen Beleg dafür liefert die desaströse Praxis deutscher Geistes-, Sozial-, Technik-, Naturwissenschaftler und Mediziner zwischen 1933 und 1945. Die fatale Allianz zwischen Wissenschaft und Machtpolitik war wechselseitig: das nationalsozialistische Regime versuchte, die Wissenschaft zu gängeln, vor allem aber nazifizierten sich die Wissenschaftler aggressiv selbst. Die unmenschlichen Effekte etwa in Medizin oder Bevölkerungswissenschaften müssen im Seminar diskutiert werden. Der historische Blick wird aber deutlich über diese Phase des Bankrotts deutscher Wissenschaft im NS hinausreichen. Erstens geht es um eine Langzeitperspektive auf Allianzen zwischen Wissenschaft und Machtpolitik jenseits des totalitären Regimes. Zweitens soll die deutsche Entwicklung mit der US-amerikanischen verglichen werden. Zu beobachten ist dann z.B., wie Psychologen, Historiker oder Chemiker dies- wie jenseits des Atlantik schon längst im Ersten Weltkrieg um Kriegstauglichkeit wetteiferten und der jeweiligen nationalen Propaganda zuarbeiteten. Diese Erfahrung rief nach 1918 u.a. eine Art pazifistische Internationale der Wissenschaftler auf den Plan. Während des Zweiten Weltkrieges brachten die USA eine gigantische geheimdienstliche Feind-Forschung in Stellung, die sich v.a. aus deutschen Emigranten rekrutierte und den Sieg über Hitler-Deutschland beschleunigen sollte. Mit Beginn des Kalten Krieges bald nach 1945 formierten sich in den USA quer durch die Disziplinen einschlägige Cold War Sciences, um die weltweite Hegemonie der USA zu befördern. Man versuchte darüber hinaus, sie in die Bundesrepublik zu exportieren, um dort die unmittelbare Systemkonkurrenz mit der sowjetisch orientierten DDR-Forschung zu gewinnen. Die bundesdeutsche Wissenschaft arbeitete sich unterdessen nach 1945 extrem widerwillig an den Altlasten der eigenen Nazifizierung ab. Mit welchen Strategien und Folgen deutsche wie US-amerikanische Wissenschaftler machtbewusste und eigenverantwortliche Koalitionäre der Politik waren und sind, lässt sich für diese Kernphase des 20. Jahrhunderts besonders deutlich zeigen.
Literaturhinweise
Ulrich Prehn, Max Hildebert Boehm: Radikales Ordnungsdenken vom Ersten Weltkrieg bis in die Bundesrepublik, Göttingen 2013; Audra J. Wolfe, Competing with the Soviets: Science, Technology, and the State in Cold War America, Baltimore 2013; Bernd Greiner, Tim B. Müller, Claudia Weber (Hgg.), Macht und Geist im Kalten Krieg, Hamburg 2011.
 
 
Titel
Die Vertreibung von Wissenschaftlern aus den deutschen Universitäten 1933-1945 - das Beispiel Freiburg (EPG)
Dozierende
Dr. Karin Orth
Uhrzeit
Mo., 14-16 Uhr
Raum
Breisacher Tor – Raum 105
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201521
Kommentar
Die massenhafte Vertreibung von Wissenschaftlern durch das NS-Regime und ihre Flucht aus Deutschland sind sowohl von den Zeitgenossen als auch von der wissenschaftlichen Forschung als einschneidende Zäsur wahrgenommen und bewertet worden. Ein erheblicher Teil aller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland war von den Zwangsmaßnahmen des NS-Regimes existenziell betroffen und hatte massive Konsequenzen zu erleiden: Diese reichten vom Verlust der beruflichen Position und der materiellen Absicherung bis hin zum Verlust der Heimat oder sogar des Lebens. Wie und von wem der Ausschluss betrieben wurde und was die Vertreibung für die betroffenen Gelehrten - und ihre berufliche Tätigkeit - bedeutete, soll im Hauptseminar exemplarisch am Beispiel der Universität Freiburg untersucht werden.
 
Dieses Seminar kann auch als EPG Veranstaltung belegt werden.
Literaturhinweise
- Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland, hg. vom Bundesarchiv, dem Institut für Zeitgeschichte und dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg, München 2008 ff.
- Michael Grüttner/Sven Kinas: Die Vertreibung von Wissenschaftlern aus den deutschen Universitäten 1933-1945, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 55 (2007), Heft 1, S. 123-186.
- John, Eckhard u.a. (Hg.): Die Freiburger Universität in der Zeit des Nationalsozialismus, Freiburg/Würzburg 1991.
- Claus-Dieter Krohn u.a. (Hg.): Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933-1945, Darmstadt 1998.
- Schicksale. Jüdische Gelehrte an der Universität Freiburg in der NS-Zeit, in: Freiburger Universitätsblätter 34 (1995), Heft 129.
- Strauss, Herbert A. u.a. (Hg.): Die Emigration der Wissenschaften nach 1933. Disziplingeschichtliche Studien, München u.a. 1991.
 
 
Titel
Die Sowjetunion und der Zweite Weltkrieg - historisches Geschehen und Erinnerung
Dozierende
Prof. Dr. Dietmar Neutatz/Prof. Dr. Victor Dönninghaus
Uhrzeit
Do., 14-16 Uhr
Raum
KG IV - Übungsraum 2
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201518
Kommentar
Der Zweite Weltkrieg stellt für die Sowjetunion und für Russland eine Schlüsselepoche dar. Der Existenzkampf gegen den deutschen Vernichtungskrieg kostete das Land immense Opfer und verlieh gleichzeitig dem stalinistischen Terrorregime eine neue innere Legitimation. Der „Große Vaterländische Krieg“ wurde zum zweiten Gründungsmythos der Sowjetunion und bildet bis heute einen zentralen Bestandteil des russischen historischen Bewusstseins. Die doppelte Tragik macht den Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg auf russischer Seite so schwierig. Im Seminar soll das Schwergewicht nicht auf dem militärischen Verlauf des Krieges, sondern auf der inneren Entwicklung der Sowjetunion liegen, unter Einschluss der von den Deutschen besetzten Gebiete. Darauf aufbauend wird danach gefragt, welche Rolle der „Große Vaterländische Krieg“ seit 1945 in der sowjetischen und russischen Erinnerungskultur spielt und in welchem Verhältnis private und offizielle Erinnerung standen und stehen. In diesem Seminar werden keine Referate gehalten, sondern wir setzen uns mit dem Thema in Gruppenarbeiten, Diskussionen und anderen Formen gemeinsamer Arbeit auseinander.
 
Das Seminar wendet sich an Studierende der Geschichtswissenschaften (Bachelor, Master, Lehramt) sowie des Studienganges Russland-Studien.
 
Kenntnisse der russischen Sprache werden nicht vorausgesetzt. Von der ersten auf die zweite Sitzung ist ein Essay abzuliefern, der als Teil der Studienleistung gilt. Das fristgerechte Erbringen dieser Studienleistung ist Voraussetzung für den weiteren Besuch des Seminars. Thema und Literatur werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
 
 
Literaturhinweise
Bonwetsch, Bernd: Der "Große Vaterländische Krieg": Vom öffentlichen Schweigen unter Stalin zum Heldenkult unter Breschnew, in: Quinkert, Babette (Hg.): "Wir sind die Herren dieses Landes": Ursachen, Verlauf und Folgen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, Hamburg 2002, S. 166-187. Merridale, Catherine: Iwans Krieg. Die Rote Armee 1939-1945. Frankfurt am Main 2006. Pohl, Dieter: Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944. München 2008. Thurston, Robert W.; Bonwetsch, Bernd (Hg.): The People's War. Responses to World War II in the Soviet Union. Urbana, Ill. 2000.
 
 
Titel
Studierende in Freiburg 1945 - ca. 1970: Studienerfahrung, Alltag, Politik
Dozierende
Prof. Dr. Sylvia Paletschek
Uhrzeit
Mi., 10-13 Uhr
Raum
KG IV/ÜR 2
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201522
Kommentar
Ziel dieses forschungsorientierten Hauptseminars ist es, anhand von Quellen Studierendenleben in Freiburg im Zeitraum zwischen ca. 1945-1970 aufzuarbeiten. Wie sahen die Studienerfahrungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit, in den 1950er Jahren oder in den ‚dynamischen‘ 1960er Jahre aus? Wie veränderte sich der Alltag von Studentinnen und Studenten, wie wohnten sie, welchen Freizeitvergnügungen konnten sie nachgehen und wie gestalteten sich die Geschlechterverhältnisse unter Studierenden? Welches politische Engagement zeigten die Studierenden und wie waren Forderungen nach Demokratisierung von Universität und Gesellschaft verschränkt?
Diesen und ähnlichen Fragen soll im Seminar nachgegangen werden. Es ist eventuell auch geplant, auf der Grundlage der Seminarergebnisse eine neue Ausstellungsstation im Freiburger Uniseum zu gestalten.
 
Anmeldung für das Hauptseminar per Email an:
 
Literaturhinweise
 
 
 
Titel
Bilderkrieger. Fotografische Kriegsberichterstattung im 20. und 21. Jahrhundert (Tl. 2)
Dozierende
Prof. Dr. Cornelia Brink
Uhrzeit
Do., 14-16 Uhr
Raum
HS 4429
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-20155
Kommentar
Unser Wissen von Kriegen wird im 20. Jahrhundert ganz wesentlich von Fotografien mitbestimmt. Das, was sie zeigen, bildet nicht einfach ab, was geschehen ist, sondern wird unter komplexen Voraussetzungen hergestellt. Was ist unter den Bedingungen des Krieges fotografierbar? Welche Faktoren begrenzen, was gesehen, was fotografiert wird und welche Fotos später auch publiziert werden: die Motive der Fotografen, die Bedingungen des Krieges, der jeweilige Medienmarkt und dessen Ökonomien, das der Öffentlichkeit Zumutbare etc.? Diesen und weiteren Fragen werden wir im Hauptseminar nachgehen, das die Geschichte der fotografischen Kriegsberichterstattung im 20. und 21. Jahrhundert verfolgt und dabei die Fotografen und Fotografinnen ins Zentrum rückt. Das Hauptseminar schließt an die Lehrveranstaltung „Augenzeugen“ vom WS 2014 an. Deren Besuch ist jedoch keine Teilnahmevoraussetzung.
 
Literaturhinweise
Zur Vorbereitung empfehle ich denjenigen, die neu ins Thema einsteigen: Michael Kamber, Bilderkrieger. Von jenen, die ausziehen, uns die Augen zu öffnen. Kriegs­fotografen erzählen, Hollenstedt 2013.
 
 
Titel
Themen und Probleme der jüngsten Zeitgeschichte: 1989 – 2014
(Masterseminar in Komparativer Geschichte)
Dozierende
Prof Dr. Ulrich Herbert/ PD. Dr. Jan Eckel
Uhrzeit
Mi., 13-16 Uhr
Raum
KG IV - Übungsraum 2
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201510
Kommentar
Mit den Verschiebungen der Jahre um 1990 haben sich die Geschichte und die Geschichtsschreibung tiefgreifend gewandelt, und zwar ebenso in nationaler und europäischer wie in internationaler Perspektive. In dem Seminar wird versucht, diese Veränderungen anhand einer Reihe von Beispielen näher zu beleuchten und ihre Reichweite zu untersuchen.
Dabei geht es um Themen wie den Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums und die Neukonstituierung der ostmitteleuropäischen Staatenwelt, um Phänomene, die mit dem Begriff „Globalisierung“ zusammen gefasst werden, um Entwicklungen wie den Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen Weltmacht und die Europäische Einigung, die Integration der einstigen DDR in die Bundesrepublik, um den eskalierenden Konflikt zwischen dem Westen und der islamischen Welt, die Demokratisierungsbewegungen im globalen Süden, die internationalen Migrationsbewegungen, die Diskussionen um "humanitäre Interventionen" sowie die Weltfinanzkrisen, die seit 2008 die Märkte erschütterten. Methodisch sollen sich transnationale Perspektiven und der nationale wie auch regionale Vergleich ergänzen.
Gleichzeitig soll über die Herausforderungen reflektiert werden, die die Beschäftigung mit der jüngsten Zeitgeschichte mit sich bringt: einer Geschichte, die in vieler Hinsicht noch als gegenwärtig und im Werden erscheint, die sich noch nicht auf sicherer archivalischer Grundlage erforschen lässt und über die sich noch kein Themenkanon herausgebildet hat.
 
Das Seminar wendet sich an Masterstudierende und fortgeschrittene Lehramtsstudierende der Geschichtswissenschaften.
 
Anmeldung in der ersten Sitzung.
Literaturhinweise
Geir Lundestad (Hg.): International Relations Since the End of the Cold War, Oxford 2013; Andreas Wirsching: Der Preis der Freiheit. Geschichte Europas in unserer Zeit, München 2012; Edgar Wolfrum: Rot-Grün an der Macht. Deutschland 1998-2005, München 2013; Philipp Ther: Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa, Berlin 2014; Ulrich Herbert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, München 2014.
 
 
Titel
Theorieseminar (Master)
Dozierende
Prof. Dr. Willi Oberkrome
Uhrzeit
Mo., 16-18 Uhr
Raum
HS 1036
Typ
Hauptseminar
Veranstaltungsnummer
06LE11S-201519
Kommentar
Wenn in einem Seminar die Frage aufgeworfen wird, wieso unser Fach ‚Geschichte’ und nicht etwa ‚Vergangenheit’ oder gar ‚Gewesenes’ heißt, stellt sich bisweilen Ratlosigkeit ein. Ähnliche Reaktionen ruft hervor, wer sich nach dem Unterschied zwischen der Sozial- und der Gesellschaftsgeschichte erkundigt, oder wer der Objektivierbarkeit historischer Deutungen relativ enge Grenzen steckt. Darüber hinaus  veranlassen Begriffe wie „vergangene Zukunft“, „zankende Zunft“, „Säurebad des Vergleichs“ u. a.  immer wieder ein scheinbar sprachloses Erstaunen. Das an Masterstudierende gerichtete Theorieseminar setzt sich zum Ziel, basale Einsichten über die Heuristik, die theoretischen Aspekte sowie die Traditionen primär der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft zu vermitteln. Die konkreten thematischen Schwerpunkte werden von den Teilnehmenden nach allgemeinen Informationen und Anregungen des Veranstalters autonom festgelegt.
 
Die Bereitschaft und die Fertigkeit, moderne, tragfähige Literatur selbständig zu bibliographieren.
 
Anmeldung per E-Mail erforderlich: willi.oberkrome@geschichte.uni-freiburg.de
 
Literaturhinweise
Ulinka Rublack (Hg.), Die neue Geschichte. Eine Einführung in 16  Kapiteln, Frankfurt a. M. 2013; Hans-Ulrich Wehler (Hg.), Deutsche Historiker, Bde I-IX, Göttingen 1971-1982; Wolfgang Schieder/Volker Sellin (Hg.), Sozialgeschichte in Deutschland, Bde I-IV, Göttingen 1986/87.

 

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